Brachiales Survivaltraining von Regisseur Sam Raimi
Den Karrierestart von Sam Raimi als fulminant zu bezeichnen, wäre vermutlich eine Untertreibung. Mit einem sehr schmalen Budget setzte Raimi 1981 The Evil Dead in Szene, ein Horrorfilm, der schon bald eine ansehnliche Fangemeinde versammeln konnte und das Prädikat „Kult“ verliehen bekam. Die Geschichte um fünf junge Leute, die in einer abgelegenen Waldhütte versehentlich einen altertümlichen Fluch samt ziemlich bösartigen Dämonen entfachen, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt stehen brachiale Splattersequenzen, die Raimi mit sichtbarer Liebe zum Subgenre inszeniert und ungeachtet aller Härte mit einem für ihn typischen schwarzen Humor immer ein wenig auf eine Meta-Ebene hebt.
Nach weiteren feinen Regiearbeiten im Horrorfach (wie etwa Army of Darkness) bewies Raimi, dass er unterschiedlichste Sujets erfolgreich zu bearbeiten versteht – etwa mit seiner wirklich gelungene „Spider-Man“-Trilogie mit Tobey Maguire in der Titelrolle. In Send Help wendet sich Raimi nun erneut dem Horror/Thriller-Genre zu. Die Ausgangslage ist rasch skizziert. Linda Liddle (Rachel McAdams) erledigt ihre Arbeit in einer Beratungsfirma gewissenhaft und mit Engagement, doch der sozialen Umgang zählt zweifelfrei nicht zu ihren Stärken. Ihr nerdiges Auftreten ist auch der Grund, dass ihr der neue Chef – Typus junger, aalglatter Schnösel – Bradley Preston ihr die lang versprochene Beförderung vorenthält. Das zieht Rachel zunächst den Boden unter den Füßen weg. Doch Preston will sie zu einem wichtigen Geschäftstermin nach Asien mitnehmen, wobei sie sich bewähren könne.
Als jedoch der Firmenjet abstürzt, sind Linda und Bradley sind die einzigen, die sich auf eine kleine Insel retten können. Wie der Zufall so spielt, verfügt Linda über ausgeprägte Kenntnisse in Sachen Survivaltechniken. Obwohl sie damit ihrem Chef das Leben rettet, nimmt ihre Fürsorglichkeit nach und nach unangenehme, psychopathisch anmutende Züge an. Unschwer lassen sich dabei Parallelen zu der von Kathy Bates gespielten Figur aus Misery, der auf Stephen Kings gleichnamigen Roman basiert, entdecken. Bald schon ringt man nicht mehr mit den Kräften der Natur ums Überleben, sondern kämpft zusehends mit brachialer Härte gegeneinander.
Raimi zeichnet die Duellisten jedoch derart unsympathisch – Linda als bedrohliche Psychopathin, Bradley als seine Arroganz nicht ablegender Karrierist – dass man an deren Schicksal wenig Interesse entwickelt. Was bleibt, sind eine Reihe kreativer Splatter- und Goreszenen, an denen sich Genreliebhaber erfreuen werden.
