Ein Philosophenleben verpufft in einer maßlos übertriebenen Historienfarce.
Es geht schon schrill los – mit einem Schwall aus gestanzten Sprüchen und übersteigerten Gesten. John Malkovich spielt Seneca, den großen Philosophen des Stoizismus, der zu Beginn eine Rede mit dem jugendlichen Nero (Tom Xander) probt. Noch lässt sich der rhetorisch unbeholfene römische Kaiser belehren, hört aufmerksam zu und imitiert seinen Berater, der ihm erklären soll, wie die Welt funktioniert. Doch der „Herr Präsident“, wie ihn seine Gefolgschaft unterwürfig nennt, weiß seine Macht auch ohne jegliche Vorwarnung gegen Seneca zu richten, als er beim abendlichen Zeitvertreib im Palast dessen intellektuelle Überlegenheit allzu sehr spürt.
Man muss nicht viel von Robert Schwentkes Historienfarce gesehen haben, um zu wissen, wie hier der Hase läuft. Schwentke, der zunächst Drehbücher für Fernseh-Krimis verfasste, bis er sich mit solider Genreware im deutschen und US-amerikanischen Kino einen Namen machte, gestaltet den Untergang Senecas als überdrehte, teils bis zur Unerträglichkeit übersteigerte Tragikomödie mit viel Pomp und kaum Substanz. In einer aufdringlichen Erzählweise erklärt uns Malkovichs erhabene Stimme aus dem Off die Zusammenhänge, kommentiert die Ereignisse und reichert das Ganze mit allerlei Originalzitaten des Stoikers an.
Ihren dramatischen Höhepunkt erreicht die Geschichte, als Seneca erfährt, dass seine letzte Stunde geschlagen hat. Denn er ist angesichts seiner Nähe zu Nero zwar ein Mann von beträchtlichem Ruhm und Reichtum. Aber der skrupellose Kaiser ist eben leicht zu reizen und zieht es vor, jede Person in seinem Umfeld, die ihm nicht mehr gefällt, kurzerhand zu beseitigen. Und so dauert es nicht lang, bis eine kleine Party auf Senecas Anwesen durch die Nachricht unterbrochen wird, dass Nero seinen Tod angeordnet hat – entweder durch Selbstmord oder durch die schmutzigen Hände seines bevorzugten Vollstreckers, die Wahl überlässt er Seneca.
Auch Schwentkes Der Hauptmann (2017), in dem er die Geschichte eines jungen Gefreiten erzählt, der in den letzten Kriegstagen eine Offiziersuniform findet und in einen Rausch der Macht gerät, setzte sich mit dem Aufstieg und Fall eines Menschen in einem totalitären System auseinander. Doch während sich das Kriegsdrama in sorgfältig komponierten schwarzweißen Bildern von den Augen des Publikums entfaltet, schreit das groteske Schauspiel in Seneca seine Botschaft in grellen Farben und mit leeren Worten förmlich von der Leinwand, bis einem Hören und Sehen vergeht. „Schlecht Begonnenes endet schlecht“, heißt es am Ende – erst in dem Moment macht die übermäßig theatralische Inszenierung irgendwie Sinn.
