Die erfolgreiche skandinavische Serie „Greyzone“ und die BBC-Hitserie „Bodyguard“ haben etwas gemeinsam: Es geht um Terror ohne männliche Figurendominanz.
Die in jüngerer Zeit gestiegene Angst vor Terroranschlägen hat sich in einer gestiegenen Fernsehfilm- und Serienproduktion niedergeschlagen. Schließlich möchte das TV- und Serienpublikum die medial wahrgenommene Welt auch im Fernsehen gespiegelt wissen, sich dabei gespannt unterhalten und mit letztlich gut ausgehenden Geschichten beruhigt werden.
Das Genderspezifikum, wonach solche Geschichten sowohl von Täter- als auch Ermittlerseite dem Sujet nach männlich dominiert sind, haben nun zwei aktuelle europäische Produktionen vermittels ihrer Figurengestaltung (obwohl oder gerade weil von Männern kreiert?) gewissermaßen unterlaufen: die dänisch-schwedische Koproduktion Greyzone – No Way Out, erstausgestrahlt auf dem ebenfalls beteiligten Sender ZDFneo, und der britische Sechsteiler Bodyguard (nicht verwandt mit der Costner-Houston-Schnulze aus 1992).
In Greyzone ist es ein gemischtgeschlechtliches, gemischtstaatliches Ermittlerpärchen (gespielt von der Schwedin Tova Magnusson-Norling und dem Dänen Joachim Fjelstrup), das sich in Zusammenarbeit mit dem Militär zum Kern einer Antiterroreinheit formiert, um den Einsatz eines in Skandinavien vermuteten Raketensprengkopfs zu verhindern. Wer sich da wohlig an den Krimi-Knüller Die Brücke erinnert fühlt: Dessen vierte Staffel läuft derzeit im ZDF. Die eigentliche Hauptfigur des Zehnteilers Greyzone ist freilich die dänische Software-Entwicklerin Victoria (überzeugend gespielt von der aus Borgen bekannten Birgitte Hjort-Sørensen), die von einem Terroristen (Ardalan Esmaili) düpiert, festgehalten und erpresst wird. Damit ihrem fünfjährigen Sohn Oskar nichts passiert, soll sie sensible Daten von ihrem Stockholmer Arbeitgeber Sparrowsat stehlen und bei der Flugsteuerung einer Drohne mithelfen. Da schummelt sich das eine oder andere Klischee hinein, aber man kann sich denken, was das Fesselnde daran ist: Wie Victoria nämlich den Spagat zwischen der Sorge um den Sohn, der Angst aufzufliegen und einem dräuenden Stockholm-Syndrom emotional verkraften wird – zumal dieser Spagat sich später durch den Versuch der Ermittler, sie als Doppelagentin zu installieren, weiter ausdehnt. Grauzonen, wohin man blickt. In einer Nebenrolle des von Oskar Söderlund und Morten Dragsted kreierten Thrillers: 4 Blocks-Patriarch Kida Khodr Ramadan (auf DVD bei Edel:Motion).
Einen ganz anderen Kniff, eine weibliche Figur in einem Terrordrama in den Fokus zu rücken, hat die sechsteilige BBC-Serie Bodyguard gewählt. Starvehikel ist zwar „King of the North“ Richard Madden aus Game of Thrones, der hier den Titelhelden gibt, einen Kriegsveteranen und versoffenen Polizisten mit Eheproblemen und einem Hass auf Machtpolitiker. Beschützen soll er aber ausgerechnet eine Machtpolitikerin, nämlich die von Keeley Hawes gespielte Innenministerin, welche im Zuge steigender Terrorgefahr was fordert? Natürlich noch mehr Befugnisse und Überwachungsinstrumente für ihren Polizeiapparat. Angesichts der Machtgier seines Schützlings und des eigenen Alkoholkonsums also ein kompliziertes Verhältnis, das sich, man ahnt es schon, noch weiter verkomplizieren wird. Schöpfer: Jed Mercurio (Critical, Line of Duty). In Großbritannien ist Bodyguard angeblich der meistgesehene Serienauftakt des Jahres (bei uns neu auf Netflix).
