Lustkiller: phantasielose Farce inklusive Schleichwerbung
Um ihre Ehe wieder anzuheizen, beschließen Annie (Cameron Diaz) und Jay (Jason Segel) jede Stellung aus der antiquierten Sexbibel „The Joy of Sex“ mit dem iPad zu filmen, nicht wissend, dass ihr dreistündiges Tutorial über die fiktionale App „Bride of Frankensync“ automatisch mit allen iPads, die Jay über die Jahre verschenkt hat, synchronisiert wird. Das schließt ihre besten Freunde (Rob Corddry und Ellie Kemper), die eigenen Kinder, den Briefträger, Annies Mutter und ihren Boss in spe mit ein. Weil es ihnen an technischer Sachkenntnis fehlt, setzen die beiden alles daran, jede einzelne kompromittierende Kopie zu vernichten.
Sex Tape will beides sein, schlüpfrige Komödie und familiengerechte romantische Komödie, ist aber weder das eine noch das andere, was daran liegen mag, dass drei Drehbuchautoren am Werk waren. Es ist ja ganz nett, aber mit bequem verdeckten Blitzen von Nacktheit bleibt der Film unter der Regie von Jake Kasdan (Bad Teacher) weitgehend eine brave, phantasielose Farce mit gekünstelten Konflikten und dem wohl besten Product Placement für Apple seit Sex and the City. Was eine Satire auf das Ende der Privatheit oder Kommentar zu gesellschaftlich akzeptiertem Exhibitionismus hätte sein können, ist die Vergeudung einer vielversprechenden Prämisse. Ein US-Filmkritiker bezeichnete Sex Tape als „filmisches Äquivalent zu Herpes“. Das geht dann doch zu weit, denn sehr sehenswerte Momente gibt es im Haus des potenziellen Käufers von Annies „Who’s Yo Mommy?“-Blog, Hank Rosenbaum (großartig und nicht ohne Selbstironie: Rob Lowe), der ein befremdliches Doppelleben führt und eine Vorliebe für Gemälde hat, die sein Gesicht in berühmten Disneyfilmen zeigen. Die beiden Hauptdarsteller sind erprobte Marken unter Hollywoods Komödienvolk, doch haben sie in der Vergangenheit weitaus mehr Risikobereitschaft gezeigt. In There’s Something About Mary (1998) schmiert Diaz sich Sperma in die Frisur, weil sie es für Haargel hält. In The Counselor (2013) masturbiert sie gegen die Windschutzscheibe eines Ferraris. Segel ist bekannt für peinliche Nacktszenen, doch seine neue schlanke Figur lässt den bewährten Charme vermissen. Komödien leben von den Unzulänglichkeiten ihrer Charaktere, nicht von deren ausgeleuchteter Makellosigkeit.
Mit Sex werden in der Regel gewaltige Profite erwirtschaftet, doch wer ein fiktionales Sex-Selfie (man sieht Highlights des Videos) erwartet, der wird enttäuscht. Apple und YouPorn danken für die Aufmerksamkeit.
