Spirituelle Praxis statt volkskundliches Vergnügen. Eine Arbeit am Gemeinsamen der Menschheit.
Ein Dorf im nepalesischen Himalaya; weit und breit weder Baum noch Strauch, stattdessen die schroffe Schönheit der Berge und unerbittliches Wetter. Pema heiratet Tashi und übernimmt damit auch die Verantwortung für dessen Brüder Karma und Dawa. Karma ist Mönch und geht nach der Hochzeit bald wieder zurück in sein Kloster, Dawa ist ein Lausbub, der Pema noch Ärger einbringen wird. Denn als Tashi sich auf eine monatelange Handelsreise nach Lhasa begibt, muss Pema für den Buben beim Dorflehrer um Nachhilfe bitten. Als wenig später ihre Schwangerschaft offenbar wird, setzt sich ein Gerücht in Bewegung, das auch die Ohren ihres Mannes erreicht – der daraufhin beleidigt in den Bergen bleibt. Das will nun Pema nicht auf sich sitzen lassen und also macht sie sich auf die Suche, um die Sache richtigzustellen.
Es ist eine in mehrerlei Hinsicht strapaziöse Reise, die der nepalesische Filmemacher Min Bahadur Bham in Shambhala unternimmt und sie geht über zweieinhalb Stunden gemächlich vonstatten. Immer ist dabei Zeit für eine folkloristische Darbietung, einen Tanz, eine Sitte, ein Lied, das Spiel auf der Pferdekopfgeige. Als ein rein volkskundliches Vergnügen wäre dieser Film von hoch droben und ganz weit weg – gedreht wurde auf Höhen zwischen 4000 und 6000 Metern – allerdings sehr missverstanden. Freilich, es sieht dort überall außerordentlich erstaunlich aus, und manchmal stehlen die Yaks und die Ziegen, vor allem aber Namkha, Pemas stämmiges Pferdchen, den nicht-professionellen Darstellerinnen und Darstellern ein wenig die Show. Doch den Titel eines mythischen Königreichs des Buddhismus trägt der Film ja nicht umsonst. Und so geht es also zugleich um eine innere Reise, dabei erzählt Shambhala auch die Geschichte eines Klar-Werdens.
Pema realisiert auf ihrer Wanderung, im täglichen, mühevollen einen-Schritt-von-den-anderen-Setzen, ihre innere Kraft und äußere Stärke. Ohne viele Worte entfalten sich die existenziellen Fragen und stellen sich die einfachen Antworten ein. Und wie von selbst ergibt sich die Erkenntnis der Lächerlichkeit des eifersüchtigen Ehemannes und weitergehend alles kleinlichen menschlichen Haders und Haderns. So ist denn auch das Verdienst dieses weitgereisten, spektakulären und zugleich ganz bescheidenen Films, dass er uns die spirituelle Praxis, die ihn so ganz erfüllt, nicht aufdrängt, sondern auf schlichte Weise verständlich und plausibel macht. Eine Arbeit an der großen Gemeinsamkeit der Menschheit auf Erden, fast schon ein Anachronismus.
