Ein wortkarger französischer Bauer holt sich nach dem Tod seiner Frau eine neue Gattin aus Rumänien.
Der Bauer Aymé auf dem Traktor beim Mähen, später mit seiner Frau in der Küche seines Hofs – Wenige, ebenso lakonische wie prägnante Einstellungen genügen Isabelle Mergault, um die gut fünfzigjährige Hauptfigur knapp zu charakterisieren. Dies liegt auch an Michel Blanc, der mit Glatze und ernster Miene die Idealbesetzung für diesen knorrigen, emotional erkalteten Bauern ist, für den es nur die Arbeit gibt. Sein tro-
cken zurückhaltendes Spiel lässt aber immer auch durchschimmern, dass hinter der kalten Fassade Wärme und Menschlichkeit schlummern. So weckt die im Grunde unsympathische Figur doch das Mitgefühl des Zuschauers.
Der unerwartete Tod seiner Frau berührt Aymé emotional kaum, doch der Verlust ihrer Arbeitskraft schmerzt und so reist er auf der Suche nach einem passenden Ersatz nach Rumänien. So treffend und genau der Blick der Regiedebütantin Mergault auf das bäuerliche Frankreich ist, so klischeehaft zeichnet sie Rumänien, wenn sie der Reihe nach aufgetakelte heiratswillige Damen antanzen lässt, mit denen Aymé nichts anfangen kann. Nur die von Medeea Marinescu mit großer Natürlichkeit gespielte Elena durchschaut den Bauern, schmeichelt ihm nicht mit dem verlogenen Standardsatz „Sie sind ein schöner Mann“, sondern überzeugt ihn mit Bodenständigkeit, ist aber gleichzeitig mit ihrer Offenheit und Menschenliebe ein Gegenpol zu Aymé.
Mit trockenem Witz schildert die Inszenierung das Aufeinanderprallen dieser konträren Typen, die jeweils aus Interessen handeln, die sie vor dem Partner geheim halten. Doch mit der Rückkehr nach Frankreich entwickelt sich Sie sind ein schöner Mann zunehmend zur vorhersehbaren romantischen Komödie, in deren Mittelpunkt die Befreiung des Griesgrams aus seinem inneren Gefängnis steht.
Warmherzig und ohne Scheu vor Sentimentalitäten wird diese Geschichte einer zweiten Menschwerdung erzählt, ein Crowd Pleaser durch seinen zärtlich-humanistischen Blick, aber auch durch seine Harmlosigkeit. Denn aktuelle Probleme Europas, wie etwa Migration, werden zwar in sanfter Dosierung angeschnitten, doch vertieft werden sie nicht. Wohlgefühl will Isabelle Mergault verbreiten, was zu Verunsicherung und Beunruhigung führen könnte, wird ausgespart. Und so lässt sie ihren Film auch in einem märchenhaften Finale enden, das einerseits mehr dem Wunschdenken als der Logik verpflichtet ist, andererseits aber auch nicht dezidiert als Traum gekennzeichnet wird.
