So schaut’s aus. G’schichten vom Willi Resetarits

So schaut's aus. G'schichten vom Willi Resetarits

| Günter Pscheider |

Konventionelle Doku über die Musik und das bewegte Leben des Willi Resetarits

Eigentlich kann man gar nicht viel falsch machen in einem Dokumentarfilm über jemanden wie Willi Resetarits, der zumindest in Wien bekannt ist wie ein bunter Hund. War er mit seiner ersten Band, den Schmetterlingen, noch deutlich ein Vertreter eines doch recht dogmatischen linken Protestliedes, füllte er als Austro-Inkarnation von Bruce Springsteen unter dem schönen Namen Ostbahn-Kurti nach einer abwechslungsreichen Karriere immerhin kleinere Fußballstadien. Die Musik spielt auch eine große Rolle in diesem Dokumentarfilm, bei dem man immer wieder ein wenig das Gefühl hat, man hört ein gut gemachtes Radiofeature auf Ö1, so wichtig ist die Tonspur im Vergleich zu den teilweise etwas beliebigen Bildern.

Allerdings sieht man kein Live-Material aus vergangenen Zeiten, einzig die durchaus berührenden Lieder vom aktuellen Projekt „Stubnblues“ strukturieren die Aufnahmen vom „Elder Statesman der Gschichtldrucker“ an den wichtigen Orten seines Lebens: Kindheit in Stinatz, Jugend in der damals verrufenen Bruckhaufensiedlung in Floridsdorf, wo er noch heute wohnt. Dazwischen trifft er seine auch nicht unprominenten Brüder Lukas und Peter, und immer wieder sieht man ihn ganz bei sich auf der Bühne, bei Proben oder beim Komponieren in einer malerischen verschneiten Gebirgslandschaft. Auf die öfter eingesetzten Aufnahmen des offensichtlich fitten Noch-lange-nicht-Pensionisten beim Inline-Skaten hätte Regisseur Harald Friedl vielleicht zugunsten einiger Bilder mehr vom auch nicht gerade unerheblichen Teil seines zivilpolitischen Engagements als Mitbegründer des Integrationshauses verzichten können. Doch die anekdotische Form des Films ist klug gewählt und entspricht dem Sujet hundertprozentig. Es ist faszinierend, wie Willi Resetarits von seiner durch die Ausgrenzung als „Krowod“ traurigen Kindheit spricht, den Kopf nachdenklich etwas gebeugt, als wenn er auf diesen Zusammenhang gerade erst beim Erzählen draufgekommen wäre. Er verkörpert diese seltene Mischung aus Authentizität und Inszenierung, die trotz einiger sehr persönlicher Details immer einen Rest von Distanz aufrecht zu erhalten scheint. Dieses kleine Porträt ist auf jeden Fall nicht nur für Fans kurzweilig. Trotzdem ist der Gedanke reizvoll, dass einmal jemand wie der große Dokumentarist Frederick Wiseman Willi Resetarits ein Jahr lang begleiten und daraus auch ein formal spannendes Bild des Menschen und der Kunstfigur basteln könnte.