Soldat Ahmet

Filmkritik

Soldat Ahmet

| Günter Pscheider |
Sensible Annäherung an einen zerrissenen Charakter

Das Leitmotiv des Films spiegelt sich gleich im Titel wider, der mehr oder weniger subtil mit klischeehaften Erwartungen spielt. Ist es heute noch auffällig, dass ein Soldat des österreichischen Bundesheeres Ahmet heißt? Natürlich sollte es das nicht sein, immerhin verrichten viele Kinder von Migrantinnen und Migranten, die in Österreich geboren wurden, ganz selbstverständlich ihren Dienst mit der Waffe. Trotzdem bleibt da ein Hauch von Widerspruch – zumindest in vielen Köpfen. Der Umgang mit den internen und externen Erwartungen an den Soldaten, Sohn, Onkel, Boxer und Schauspieler
Ahmet drohen den sensiblen Kraftprotz zu überfordern.

Jannis Lenz’ sehr selbstbewusstes Langfilmdebüt profitiert enorm von der Vertrautheit des Regisseurs mit Ahmet, der auch schon im Kurzfilm Schattenboxer Teile seiner eigenen Geschichte mit fiktiven Elementen verknüpft hat. So agiert der Protagonist ganz natürlich vor der agilen Kamera, sei es beim Essen mit seinen toleranten türkischen Eltern, die sich trotzdem nichts sehnlicher wünschen als eine baldige Heirat ihres Sohnes oder als zackiger Sanitätsausbilder beim Bundesheer. Am meisten über das komplizierte Innenleben von Ahmet erfährt man aber bei den Proben zu Tennessee Williams’ A Streetcar Named Desire, bei dem er auf speziellen Wunsch des Regisseurs die Rolle des gewalttätigen Stanley Kowalski übernehmen soll. In einer Schlüsselszene soll Ahmet weinen, was ihm partout nicht gelingen will, hat er doch seit seiner Kindheit nie eine Träne vergossen. Als Boxer hat er sich Respekt verschafft und eine gewisse Härte zugelegt, hinter der aber eine enorme Verletzlichkeit sichtbar wird in seinem Bemühen, es der Gesellschaft, seinen Eltern, Freunden und letztendlich seinen eigenen Träumen recht zu machen.

Jannis Lenz gelingt es auch mit Hilfe eines ausgeklügelten Sounddesigns mit hauptsächlich perkussiven Elementen (Auszeichnung bei der Diagonale für Benedikt Palier), einer oft sehr witzigen Choreografie von Massenszenen und einer Inszenierung, die auch in ganz beiläufigen Szenen sehr viel über ihren Hauptcharakter und die ihn prägende Gesellschaft aussagt, einen scheinbaren Durchschnittsmenschen zu einem interessanten Filmhelden zu erheben.

Bei solchen hybriden Dokumentarfilmen, die bewusst damit spielen, dass man als Zuschauer nicht immer weiß, was „authentisch“ und was inszeniert ist, bleibt oft ein schaler Nachgeschmack der Ungewissheit, bei Soldat Ahmet aber dominiert ganz klar das Gefühl einer subjektiven Wahrhaftigkeit.