Solo: A Star Wars Story

| Hans Langsteiner |

Heiß umfehdet, wild umstritten: Der neue „Star Wars“-Film ist besser als sein Ruf.

Ein Film über Han Solos Jugendjahre: Wer braucht das wirklich? War die Produktionsgeschichte des Films nicht ein Desaster? Und ist  Alden Ehrenreich in der Titelrolle nicht eine einzige Peinlichkeit? Leute, kriegt euch wieder ein. Der bereits zehnte Film der selbstlaufenden Sternenkriegs-Serie definiert das Science-Fantasy-Genre sicher nicht neu, aber den wütenden Hass, der ihm vielerorts gerade in Fan-Foren entgegenschlägt, hat er nicht verdient (auch wenn die ersten Einspielergebnisse deutlich unter den Erwartungen liegen).

Von der Handlung viel zu referieren, verbietet der Spoiler-Kodex, daher halten wir uns mal an die Darsteller. Der heftig kritisierte Alden Ehrenreich ist sicher weder ein neuer James Dean noch ein junger Peter O’Toole, aber er ist sichtbar mit Gusto und Laune bei der Sache, sieht hinreichend schnuckelig aus und ähnelt in guten Momenten sogar entfernt dem jugendlichen Harrison Ford.  Die Show stiehlt ihm freilich der bewährte Woody Harrelson, der einen knorrigen Söldner hinlegt, dass es eine Freude ist. Emilia Clarke bleibt, zugegeben, blass, und Donald Clover übertreibt es ein bisschen als Pre-Lando-Calrissian. Und der Film selbst?

Um damit nicht hinter dem Berg zu halten, Solo: A Star Wars Story ist ungleich geglückter und sympathischer als der dumpfe Rogue One-Einschub-Film, in dem keine Figur so viel Interesse wecken konnte, um ihr finales Hinscheiden zu bedauern. Anders hier: Das Heranreifen des anfänglichen Hallodris Han Solo zur Zentralfigur der mittleren Star Wars-Trilogie hält großteils Tempo und Schwung, führt neue und bekannte Charaktere ein und wartet – die Pranke des Drehbuch-Ko-Autors Lawrence Kasdan wird im Ansatz spürbar – mit immerhin etlichen überraschenden plot twists auf. Ok, die Raumbars und Spielhöllen kennt man so oder ähnlich schon aus früheren Saga-Folgen, in der zweiten Hälfte hängt die Geschichte merklich durch, und manche Details bringen die Story weniger voran, als dass sie augenzwingernd Bekanntes zu zitieren suchen.

Auf der Haben-Seite stehen eine atemberaubende Zugsüberfall-Sequenz in verschneiten (Dolomiten-)Bergen, die originelle Einführung der Chewbacca-Figur und eine dicht inszenierte Konfrontation im Schurken-Hauptquartier. Insgesamt atmet das Ding etwas vom ironisch unterfütterten Geist und der Frische jener Dreißiger-Jahre-Serials, die von „Flash Gordon“ bis „Buck Rogers“ die Tradition des Genres begründet hatten und auf die sich nicht zuletzt George Lucas seinerzeit berief. Alles in allem kein Grund zur Panik, it’s only a Star Wars-Movie…