Dead Pixels

Comedy-Serie

Spaß aus dem Vereinigten Königreich

| Dieter Oßwald |
Mit viel Verspätung kaspern die „Dead Pixels“ nun bei ZDF Neo.

„Die Festung steht in Flammen!“: Der Panikanruf erreicht Meg beim Federballspiel. Ihr WG-Mitbewohner Nicky befürchtet eine schwere Schlappe in „Kingdom Scrolls“, jenem Fantasy-Spiel, das die beiden zusammen mit Kumpel Usman seit Jahren gemeinsam spielen. „Das ist meine erste Verabredung seit zwei Monaten!“, protestiert Meg. Aber einmal mehr lässt sie das reale Leben sausen, um in die virtuelle Zocker-Welt einzutauchen. Als mit Russell ein neuer Kollege im Büro auftaucht, ergreift sie die neue Flirt-Chance und lädt den potenziellen Lover spontan ins Game-Team ein: „Du darfst ein Spinnenreiter sein“, lautet das großzügige Angebot. Vom Zocken hat Russell jedoch eher wenig Ahnung. Als Avatar bastelt er sich eine bunte Riesenfrau, protzt mit teurer Zusatzausrüstung und geht den drei Hardcore-Spielern mit seiner Fröhlichkeit zunehmend auf den Zeiger.

Mit diesem Quartett so unterschiedlicher Typen kommt das Figurenkarussell gut in Fahrt. Ein bisschen gemächlich zwar, dafür ohne größere Pannen. Das Pointen-Potenzial wird in den realen Szenen ebenso souverän ausgespielt wie in den Sequenzen mit den Avataren – visuell geraten diese Spielszene ausgesprochen überzeugend. Zum gelungenen Running Gag avanciert das Kleinkind von Zocker Usman, das in einem Laufstall mit abschließbarem Deckel untergebracht ist, damit Papi seine Ruhe hat. An Situationskomik herrscht gleichfalls kein Mangel. Sei es mit der fiesen Rache eines Fensterputzers, dem Auftritt eines minderjährigen Schweizer Spielers, der vom naiven Russell arglos eingeladen wird, oder mit Sprüchen wie „Es gibt immer ein Hiroshima. Immer ein Dresden.“

Die unaufdringliche Lässigkeit, mit der die Komik präsentiert wird, macht den Charme der Comedy-Serie aus. Aus welchem Land sie kommt, dürfte unschwer zu erraten sein. Ebenso einfach ist die Antwort darauf, wer stolze zwei Jahre benötigt, um diese Perle endlich auch hierzulande ins Programm zu holen. Perfektes Binge-Watching in zwölf Episoden – leider nicht in der Original-Fassung, dafür auffallend gut synchronisiert.