Filmkritik

Spy - Susan Cooper Undercover / Spy

| Ralph Umard |
Frauenpower auf der ganzen Linie

Der Titelvorspann im Stil eines James-Bond-Films, ein Martinis trinkender Top-Agent namens Fine (nomen est omen), der in lächerlich lässiger Manier eine absurde Gefahrensituation meistert – gleich zu Filmbeginn ist klar, dass es sich um eine Parodie handelt. Wieder einmal muss verhindert werden, dass eine Atombombe in die Hände von Verbrechern gerät. Als Agent Fine ausfällt, schickt die Respekt einflößende Chefin der CIA Fines Assistentin Susan Cooper los, um unauffällig zu ermitteln, wer am Waffen-Deal beteiligt ist. Die Surveillance-Spezialistin brennt darauf, endlich einmal ihren Arbeitsplatz am Computerbildschirm im CIA-Hauptquartier zu verlassen, um selber in Aktion zu treten. Beim Einsatz undercover überrascht die gewichtige Frau mit ungeahnten Fähigkeiten: als furchtlose Nahkämpferin, Rennfahrerin und Scharfschütze.

Was Regie, Story, Dialogwitz und Action angeht, ist diese Kriminalkomödie weniger gelungen als beispielsweise die beiden R.E.D. Filme. Die Inszenierung wirkt streckenweise ungelenk, die vielen überraschenden Wendungen im Geschehen erscheinen als Selbstzweck, die Darstellung eines Italieners als manisch grapschenden  Papagallo ist klischeehaft übertrieben, es wird vorwiegend geredet, weniger gehandelt, und die Stunts sind nicht vom feinsten – sehenswert ist ein in Jackie–Chan–Manier choreografierter Cat-Fight in der Küche.

Es sind die gut aufgelegt agierenden Schauspieler, die den Film vor der Belanglosigkeit retten, allen voran die in den USA als Star der Sitcom Mike and Molly populäre Melissa McCarthy in der Rolle der Titelheldin. Ihre Karriere begann sie als Stand-up-Komödiantin, hier zeigt sie, dass sie auch Slapstick beherrscht, souverän und lasziv auch die Darstellung einer schurkischen, dünkelhaft-arroganten Femme fatale durch Rose Byrne. Mit den Waffen einer Frau setzt sie Jude Law in der Rolle des CIA-Agenten Fine außer Gefecht. Und der auf die Verkörperung beinharter Burschen abonnierte Jason Statham erheitert hier mit einer hochkomischen Persiflage auf sein Leinwand-Image. Als obszön fluchender, zur Prahlerei neigender Macho-Mann, der von Kollegin Cooper peinlicherweise immer wieder aus Lebensgefahr gerettet werden muss, spielt er die witzigste Figur in diesem insgesamt recht vergnüglichen Film.