Nikolaus Geyrhalters Dokumentarfilm lässt zwei Jahre Covid-Pandemie Revue passieren.
Es ist Anfang 2024 und man fragt sich überrascht: Dass ein Virus die gesamte Welt zum Erliegen gebracht hat, ist schon vier Jahre her? Bei allem „Daily Business“ und der turbulenten Weltlage lässt sich schnell vergessen, dass seit 2020 schon eine Weile vergangen ist. Umso besser, dass durch Nikolaus Geyrhalters Stillstand diese Realität wieder ein bisschen näher gerückt wird. Oder ist das überhaupt gut? Eigentlich will man die in Corona-Lockdowns verschluckten Jahre am liebsten verdrängen. Genauso wie die so oft als solche betitelte „Spaltung der Gesellschaft“, die die Maßnahmen der Regierung mit sich zog. Stillstand mischt sich in dieses Verdrängen wie ein Mitesser, den man loswerden will und der doch daran erinnert, dass diese so nahe Vergangenheit mit dafür verantwortlich ist, wo man heute steht. Dabei wirkt dieses Porträt einer Krisenzeit wie ein Stück seltsam unmittelbarer Zeitgeschichte. Eine Zäsur, die eine ganze Welt innehalten ließ. In Geyrhalters Film steht alles und doch gar nichts still. Ganz im Gegenteil dazu, was der Titel suggeriert, spannt Stillstand nämlich einen Bogen über zwei Jahre und zeigt, wie sich eine Bevölkerung ihren Weg durch die Krisenzeit bahnt.
Am Anfang war es still. Jeder und jede kann sich an die Fotos von menschenleeren Städten erinnern, die im März 2020 in den Nachrichten kursierten. Auch Nikolaus Geyrhalter eröffnet seinen Film mit diesen Bildern, doch fokussiert auf den Ort, wo er selbst mit allen anderen Bewohnern festsaß: Wien. Leere Cafés, ein Flughafen mit geparkten Maschinen, ungenützte Schulklassen, ein ausgestorbenes Schwimmbad. Bilder wie diese erinnern uns daran, wie wir zeitgleich vor unseren Fernsehern saßen und Corona-Statistiken zu unserem täglichen Begleiter wurden. Doch auch die Kehrseite der Medaille wird gezeigt: Eine Intensivmedizinerin erzählt von den unmittelbaren Krisenstrategien, die eine Krankheit wie Covid-19 im April von unserem Gesundheitssystem forderten. Doch langsam kommt alles in Bewegung. Nach einem Wieder-Aufsperren folgt im November 2020 der nächste Lockdown. Die nächste Enttäuschung. Dass die Pandemie erst im Juni 2023 offiziell in Österreich als beendet erklärt wird, können sich zum damaligen Zeitpunkt vermutlich nur wenige vorstellen. Mit mehr als zwei Stunden zieht sich Stillstand ein wenig in die Länge, dennoch wird es vielleicht einmal der Film sein, den wir unseren Kindern zeigen, um zu erklären: Ja, auch durch Nasenbohren kann man eine Zivilisation retten!
