Filmkritik

Störche - Abenteuer im Anflug / Storks

| Jörg Schiffauer |
Vom Fluch moderner Zeiten

Bekanntermaßen, wie man uns ja in Kindertagen glaubhaft versichert hat, werden Babys von Störchen gebracht. Doch in Zeiten, in denen Profitmaximierung oberste Priorität hat, steht jedes Geschäftsmodell auf dem Prüfstand, auch wenn alle Störche so stolz auf ihre Aufgabe sind. Chefstorch Hunter hat jedoch das Babyliefergeschäft eingestellt und betreibt nun mit den Vögeln die global operierende Firma Cornerstore, einen lukrativen Paketzustelldienst.

Als der beste Zusteller, ein Storch namens Junior, unmittelbar vor einer Beförderung steht, passiert ein kleines, doch folgenschweres Missgeschick: Die stillgelegte Baby-Produktionsstätte wird versehentlich aktiviert und erzeugt ein Kind. Um seinen Aufstieg nicht zu gefährden, entschließt er sich, das kleine Geschöpf unbemerkt auszuliefern. Weil sich Junior jedoch den Flügel verletzt hat und deshalb fluguntauglich ist, muss er sich der Hilfe von Tulip bedienen, dem einzigen menschlichen Wesen in der Firmenzentrale von Cornerstore. Das Mädchen war nämlich vor 18 Jahren das letzte vom Band gelaufene Baby, dessen Zustelladresse jedoch verloren ging, weshalb sie in der Fabrik bleiben durfte. Mittlerweile bringt sie jedoch nur Chaos in die straff geordneten Abläufe – sehr zum Missfallen des Vorstandsvorsitzenden Hunter. Das ungleiche Duo Tulip und Junior muss sich nun zusammenraufen, um das Baby-Dilemma zu vertuschen, was naturgemäß nicht friktionsfrei abläuft.

Gegen die Platzhirsche des Fachbereichs Animation wie Pixar, Blue Sky und DreamWorks anzutreten, ist angesichts der hohen Standards, die diese in dem Genre gesetzt haben, kein einfaches Unterfangen. Warner Bros. hat für Storks mit Nicholas Stoller einen Regisseur und Drehbuchautor verpflichtet, der bislang im Realfilm mit Komödien wie Forgetting Sarah Marshall, Get Him to the Greek oder Neighbors reüssieren konnte. Storks erweist sich im Kern auch als typisches Buddy-Movie, das entlang eines elaborierten Plots die Spielarten dieses Subgenres durchdekliniert. Streckenweise gerät das etwas zu smart, bremst dadurch jenen anarchistischen Aberwitz, der im Hollywood-Mainstream immer weniger zu finden ist und gerade den Charme im Animations-Genre ausmacht. Nicht, dass es Storks an witzigen Ideen und liebenswert-schrägen Charakteren mangelt, doch in einigen der besten, weil herrlich turbulenten, Sequenzen – ein den beiden Protagonisten immer wieder zusetzendes Wolfsrudel leistet hier feine Arbeit – drängt sich der Gedanke auf, dass es ruhig mehr davon hätte sein dürfen.

Immerhin formuliert Storks inmitten aller Pointen auch deutliche Kritik am Irrsinn des ökonomischen Wachstums um jeden Preis – und damit kann man auch bei einem jugendlichen Publikum nicht früh genug anfangen.