Terrence Malick – Who′s Pocahontas?

Who′s Pocahontas?

| Klaus Theweleit |

Die kulturhistorischen Auswirkungen der realen und die Auswüchse der mythologischen Figur Pocahontas bieten Material für mehrere tausend Buchseiten. Etwa für eine auf vier Bände angelegte und auf jahrelange Studien beruhende Buchserie über den „Pocahontas-Komplex“.

Kopf auf Stein

Unter allen Urszenen der Kolonisierung Amerikas ist die von Captain Smith & Pocahontas 1607 bei Jamestown, „Virginia“, die aufgeladenste und folgenreichste. Die Szene zeigt: der englische Soldat und Siedler John Smith (27), wird von Pocahontas (12), einem Native American Girl, vorm Tod durch Schädeleinschlagen gerettet. Den Tod hat der „Häuptling“ Powhatan, indianischer Herrscher dieses Gebiets (und Pocahontas’ Vater) dem Gefangenen Smith zugedacht. Ihr Körper als Schutzschild vor dem Körper des zu Tötenden stoppt die Hinrichtungsgeräte in der Luft, schwere Holzkeulen mit einem Stein in der Spitze. Des jungen Mädchens aufgelegte Hand verwandelt John Smith nicht nur zurück in einen Lebenden, sondern in einen Helden der Geschichte: den Gründerheros des zukünftigen ersten Staates der USA, Virginia. Die rettende Indianerin selbst verwandelt sich auch, aber in eine mehr „weibliche“ Heldenform: sie wird zu einem der Fundamente, auf denen die „Neue Welt“ America erbaut sein wird; sie stirbt an „den Folgen“ ihrer Rettungstat. Ein historisch-mythologischer Gründungsakt mit einem Opferkern: Geschehen aus wildem Wahn? Aus jugendlichem Übermut? Nach dem Will der Götter? Die Antwort weiß nicht mal der allbekannt allwissende Wind, er weiß nicht mal, ob die Rettung selber je passiert ist, und ob sie so passiert ist, wie sie dann aufgeschrieben und um die Welt verbreitet wurde.
Schauplatz der Szene ist die indianische Stadt Werowocómoco, Sitz Powhatans,1 Herrscher über gut dreißig Algonkin-„Stämme“, die die Küstenregion an der Chesapeake Bay bewirtschaften und bewohnen: einen kleinen Teil jenes riesigen Gebiets, das die englische Krone unter dem Namen „Virginia“ seit den 1580er-Jahren für sich reklamiert – vom 30. bis hoch zum 45. Breitengrad, vom nördlichen Florida bis fast zum heutigen Canada – ohne ein menschliches Bein am Boden zu haben.

Das wird anders im April 1607. Drei englische Schiffe landen in Powhatans Gebiet, 105 Mann an Bord, keine Frauen. Nach knapp drei Wochen Erkundung des breiten Flusses, der dort mündet, mit teils freundlichen, teils unfreundlichen Indianerkontakten, errichten sie eine Siedlung, „Jamestown“,2 „die erste dauerhafte englische auf amerikanischem Grund“. Dank einer merkwürdigen Zurückhaltung von Powhatans Leuten gegenüber den Fremden von den großen Schiffen überstehen die Siedler das halbe Jahr bis zum ersten Winter ohne große kriegerische Verluste – die Hälfte von ihnen stirbt aber im Lauf des ersten Jahrs an Infektionskrankheiten. Die Zurückhaltung der Native Americans gegenüber den weißen Ankömmlingen ist beschrieben worden als Resultat einer Unentschiedenheit ihres Blicks auf die Schiffe der Europäer – „schwimmende Inseln mit weißen Wolken drauf“.

Ein heutiger amerikanischer Roman-Autor mit Spezialblick für fortdauernd Kolonialistisches, T. C. Boyle, hat die Gespaltenheit dieses Blicks re-imaginiert für seinen Roman World’s End. Ein Titel, der sagt: eine Welt ging zu Ende mit Ankunft dieser Schiffe, die Geschichte des Vor-Amerika, dieses Kontinents ohne Namen, von machen „Paradies“ genannt und von den Engländern Virginia oder New World. Sie geht zu Ende im Blick auf das Schiff, das unaufhörlich landet – das im Jahr 1607 seit gut hundert Jahren schon landet an so vielen Stellen der indianischen Küsten nach Columbus’ erstem Einfall.
Boyle verleiht diesen Blick in seinem Roman der alten Indianerin „Wahwahtaysee“:

Als sie sechs Jahre alt und geschmeidig wie ein Salamander gewesen war, hatte sie mit dem Rest ihres Stammes bis zur Hüfte im Fluß gestanden und zugesehen, wie die „Half Moon“ gegen die Strömung ankämpfte. Das Schiff war ein Wunder gewesen, eine Vision, ein Zeichen der stummen Götter, die die Berge aufgefaltet hatten, um ihr Treiben vor den Augen der Sterblichen zu verbergen. Manche sagten, es sei ein Geschenk von Manitou, ein großer weißer Vogel, der gekommen war, ihr Leben zu heiligen; andere, weniger zuversichtliche Mitmenschen identifizierten es als Teufelsfisch, gekommen, um sie alle auszulöschen.3

Auch Powhatans Stammesangehörige oder Mitmenschen schienen nicht recht zu wissen, was tun mit den Leuten aus „London“, die erzählten, ein Sturm hätte sie verschlagen in diese Bucht … zu bleiben hätten sie nicht vor. War ihnen zu glauben? Es hatte andere Weiße gegeben hier, vorher … Siedler, ganz in der Nähe … auch Spanier, jesuitische Patres … nicht nur weiter im Süden, auch an der Chesapeake Bay waren sie herumgegeistert … sie waren aber immer wieder „verschwunden“ … wenn auch nicht von ganz alleine … es hatte Tote gegeben. Ihren ursprünglichen Charakter als „Unknown Swimming Objects“, USOS, hatten die Wolken-Schiffe schon verloren zu diesem Zeitpunkt.

Auch Wortlisten mit Algonkin-Wörtern waren schon nach London gelangt, Grundlage der beginnenden englisch-powhatanischen Wortgeplänkel.
… nun liegen die englischen Schiffe schon ein halbes Jahr auf dem Fluß … die Englishmen von Jamestown durchstreifen die Gegend … erkunden Flüsse … das Verhalten der Roten ist „wechselhaft“ … mal schießen sie Pfeile, mal sprechen sie Einladungen aus und geben zu essen … „inconstant“, mit einem Wort von John Smith … dies wird ein Hauptwort zur Charakterisierung der „Wilden“ …  nicht belle sauvage, sondern inconstant savage …
Es wird Dezember …
Da wird auf einer Erkundungsfahrt flußaufwärts der Captain John Smith, einer der Leader der weißen Gäste, von Indianern vom Stamm der Pamunkey, sie neigen offenbar der Sichtweise Teufelsfisch zu, angegriffen und gefangen genommen. Drei der Indianer werden dabei von Smith getötet. Die siegreichen Krieger zeigen den wehrhaften Captain mit dem roten Bart und seine acht gefangenen Begleiter einige Wochen in ihren Dörfern herum,4 dann landen alle in Werowacómoco vor Powhatan zur Entscheidung über ihr Schicksal.5 Powhatan, ein nach Smiths Schätzung 60-jähriger Mann von großer Würde – die Engländer nennen ihn „King“ oder „Emperor“ in ihren Schriften –, verfügt den Tod des weißen Mannes mit dem stählernen Helm. Die Hinrichtungszeremonie fällt nach heutigem europäischem Kalender auf die Tage Silvester/Neujahr 1607/08; – (das englische Verwaltungsjahr beginnt am 28. März in der Zählung des 17. Jahrhunderts). Captain John Smith, erfahrener Krieger auf europäischen Schlachtfeldern, in Ungarn gegen die Türken, in Russland gegen die Tartaren, and now captured by American Indians, wird es so oder so nicht erleben …

Über seine Hinrichtung gibt es einen Bericht – von Smith selber; Bericht, warum es nicht ganz geklappt hat mit der Exekution …

Bei seinem Erscheinen vor Powhatan stießen alle Versammelten einen lauten Schrei aus. Zuerst wurde er nach bestem Wissen der Barbaren bewirtet, dann wurde der Königin der Appamatuck bedeutet, ihm Wasser zu bringen, damit er seine Hände wasche. Es folgte ein Strauß weißer Federn anstelle eines Handtuchs zum Abtrocknen. Anschließend wurde eine lange Konsultation abgehalten mit dem Ergebnis, dass zwei große Steine vor Powhatan abgelegt wurden. So viele Indianer, wie Hände auf seinem Körper Platz fanden, ergriffen Smith und zerrten ihn zu diesen Steinen. Auf den einen wurde sein Kopf gelegt. Dann machten die Indianer sich bereit, ihm mit ihren Holzkeulen das Hirn rauszuschlagen. Da legte Pocahontas, des Königs liebste Tochter, nachdem ihr Flehen um sein Leben nichts half, ihre Arme um seinen Kopf, dann ihren Kopf auf den seinen, und errettete ihn so vorm Tode. Der Herrscher akzeptierte dies. Smith solle leben, sagte er, um ihm Metalläxte anzufertigen und Glocken, Perlen und Töpfe aus Kupfer für seine Tochter. Denn sie hielten ihn für einen ebenso geübten Handwerker, wie sie es waren. Auch ihr König näht sich seine Robe selber, fertigt seine Schuhe, Pfeile, Töpfe selbst, er pflanzt und jagt, wie jeder seiner Untertanen auch.6

… der Tod blieb aus … Geschichte einer Errettung, wie sie „im Buche“ steht … in Büchern, in denen Götter ihre Hand im Spiel haben … Odyssee, Aeneis, Edda, Bibel … hier das 3. Buch von John Smith „Allgemeine Geschichte von Virginia, Neu-England und den Bermudas“ … erschienen in London im Jahr des Herrn 1624
Die buchkundige Geste der indianischen Analphabetin wendet das Schicksal der bedrohten Siedlung „zum Guten“, für diesen Winter: Chief Powhatan schickt verstärkt Lebensmittel nach Jamestown. Die Siedler wären verhungert im ersten Winter in Amerika ohne den Fisch, das Wild, das Geflügel, das Maisbrot der Indianer. Dies ist von allen Chronisten unbestritten, wenn auch einige unter ihnen mehr ein „Werk des Herrn“ in der Hilfe der Indianer sehen wollten, des großen weißen Londoner Gottes irgendwo über den Wäldern oben, als der neugierigen Roten aus ihnen.
Als Begleiterin der Träger, die die Lebensmittel bringen, erscheint jeweils Pocahontas, die Retterin, als offizielle „Delegierte“ Powhatans, ein Nahrungsengel, immer gut gelaunt, weiblich.

… ein Mädchen von zehn Jahren, das an Schönheit, Gestalt und Proportionen alle anderen ihres Volkes übertritt, und auch an Witz und Geist die Unvergleichliche (Nonpariel) ihres Landes genannt zu werden verdient.7

So Jahr Smith in jenem historischen Dokument, das die Häuptlingstochter zum ersten Mal erwähnt, 1608 nach London an einen Freund. Die Jamestown Männer müssen so nicht das Schicksal jener früheren englischen Siedler teilen, die zwanzig Jahre zuvor ihre Häuser auf der Insel Roanoke – heutiges North Carolina – errichtet hatten, aber bald darauf „spurlos“ verschwunden waren.
Verhungert? Ertrunken? Erschlagen? An Krankheiten gestorben? Englische Chronisten schreiben ihren Tod gern auf Powhatans Konto. Aber sichere Kunde von ihrem Schicksal gibt es nicht. Sir Walter Raleigh hatte unter dem Kommando von Catain Philip Amadas und Arthur Barlowe eine interessante Gruppe losgeschickt, nicht primär auf Gold & Conquista aus, wie die Zusammensetzung der Roanoke-Gruppe vom Juli 1587, der sog. 3. colony, beweist: 89 Männer, 17 Frauen, davon 2 schwanger deuten auf ein Siedlungsunternehmen. Thomas Hariot – der „englische Galilei“ –, Mathematiker, Astronom und Magier, der 1585/86 da war, deutet auf Wissensbeschaffung. Hariot wird den ersten Bericht von der Denk- und Lebensweise der Algonkins nach London liefern, mit vielen Details insbesondere zu Fragen ihrer Religion. In eine ähnliche Richtung deutet der Gouverneur des Unternehmens, John White, nicht nur ein fähiger Waltungsmann, sondern auch hervorragender Aquarellist. Seine Zeichnungen und Skizzen, die er im ersten Roanoke-Jahr von Erkundungen auch auf dem Festland anfertigt, werden zum ersten Bilderalbum der nackten Wilden Virginias in England, und dann verbreitet in ganz Europa durch die Kupferstiche von Theodor de Bry. Sie zieren bis heute fast jedes Buch von der kolonialen Frühzeit Nordamerikas.
Hariot und White sind nicht unter den Roanoke-Verschwundenen. Sie waren 1586/87 von Roanoke nach London zurückgefahren, um Nachschub zu besorgen und die ersten Früchte der Arbeit in London abzuliefern: ein Manuskript und eine Mappe Bilder. England befindet sich im Krieg mit Spanien, der auf den Moment der Armada zusteuert. Wegen der Bedrohung durch die spanischen Schiffe, die sich England nähern, verhängt Elisabeth I. ein Auslaufverbot für alle englischen Schiffe, auch die nach Übersee. Jeder Kahn soll einsatzbereit sein gegen die Armada. Als John White, nach der Katastrophe der spanischen Armada, mit einem Jahr Verzögerung wieder nach Roanoke kommt, findet er niemanden vor … in einen Baum eingeritzt, unentzifferbar, eine Nachricht … unter den 17 verschwundenen Roanoke-Frauen waren auch die Tochter von John White, Mutter des ersten englischen Kindes in der Neuen Welt:

Eleonora, die Tochter des Gouverneurs und Frau des Ananias Dare, wurde am 18. August von einer Tochter entbunden auf Roanoke; das Kind wurde am drauffolgenden Sonntag getauft, und da es das erste in Virginia geborene Christenkind war, erhielt es den Namen Virginia.8

Virginia Dare: „Jungfrau, wag es – in Virginia!“
Es war schiefgegangen … aufgesaugt vom Bauch des Waldes … verschwunden im Herzen der Finsternis. Mögliche Reste oder Spuren von ihnen zu finden war ein Nebenauftrag der Jamestown Siedler … die „Verschwunden von Roanoke“ liefern somit den Schlüssel zu ihrer Struktur: keine Frauen, keine Wissenschaftler und/oder Maler, sondern Seeleute, Abenteurer, Aristokraten, ein Priester und ein paar Handwerker. Im Hinderkopf (der bei manchen ganz vorn sitzt): die Suche nach (virginischem) Gold.

„To shoe or not to shoe“
Der Gang der Geschichte

Für Jamestown und Virginia stellt sich, wenn auch nur für die paar wenigen Jahre nach 1614, die Frage nach der Politik einer mixed population in einem ganz realen Sinn. Erst nach Pocahontas’ Tod 1617 und endgültig ab 1622, nach dem großen Angriff der Powhatans auf die weißen Siedler, ist sie für Virginia erledigt, sind die Indianer zu „mordenden Wilden“ erklärt, zurückbefohlen in die „Barbarei“, aus der man sich verglich „gemüht hatte“, sie zu holen.
Die Folgen einer Zustimmung von Powhatan zu Thomas Dales Heiratsantrag wären tatsächlich unabsehbar gewesen. Man hat mit Hamors Besuch bei Powhatan im Mai 1614 so etwas wie einen dieser unwiederbringlichen Momente vor sich, wie sie „in der Geschichte“ ab und zu passieren und sich tatsächlich nicht wiederholen … deren Möglichkeiten für ein paar Wochen aufscheinen, Monate … dann sind sie vergangen, versunken, weggefallen an den „Gang“ der Geschichte, der dann eben anders ging, aber die Sohle, die den Boden berührte mit einer ganz anderen Version des Geschehens, war da, ein Fuß war da, der sich entsprechend bewegt und der ebenso zum Gang der Geschichte hätte werden können. Thomas Dale war nicht niemand, und der Antrag war, das sieht man klar, alles andere als eine Laune.
Um so – soll man sagen: tragischer? – dass die Ablehnung von indianischer Seite kam, vom alt gewordenen Paramount Chief Powhatan … müde geworden, auf dem Rückzug schon ins Ewige … keine „politischen Gedanken“ mehr … und bitte haltet mir diese Weißen vom Leib, mögen wir uns auch tausendmal Brüder nennen … und hört auf, mir meine Töchter zu nehmen, das einzige Vergnügen, das ich noch habe als alter Mann auf Erden … was habe ich von meinem Töchtern in eurem Kirchenschiff! … von meinen Söhnen in euren Schulbänken …
„Tragisch“ vielleicht auch deshalb, weil das, was Dale im Mai 1614 vorschlug, nur das nachholte, was Powhatan im Frühjahr 1608 John Smith gegenüber phantasiert hatte, eine Vermischung der beiden Populationen … nur war Powhatans Vision gewesen, die Weißen wären zu ihm gezogen … nach Werowocómoco … und nicht die roten Frauen, in Scharen, zu Whitakers Taufaltar.
Das Kern-Paar der Geschichte, das Pflanzerpaar Pocahontas/Rolfe, fehlt also vor allem deshalb in der Geschichts-Mythe, weil es haargenau diesen Wendepunkt in der Geschichte darstellt, den die Geschichte nicht mitmachen wollte, und diesmal überhaupt nicht mitmachen wollte – der Akt ihrer Ehe hatte keine Nachfolgeakte. Für das gesamte 17. Jahrhundert sind nur drei weitere englisch-powhatanische Ehen registriert. Die Intermarriage Pocahontas-Rolfe, im Moment ihres Vollzugs ein potentiell weltbewegender Akt, wird nicht zum Modell für das Entstehen einer mixed population wie die Verheiratung der Malinche mit einem Cortés-Offizier und ihre weiteren spanischen Verbindungen in Mexico.

Auszüge aus: Pocahontas I: Pocahontas in Wonderland. Shakespeare on Tour. Indian Song. Außerdem erschienen: Pocahontas IV: You give me fever. Arno Schmidt: Seelandschaft mit Pocahontas. Die Sexualität schreiben nach WW II. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Der „Pocahontas-Komplex“ erscheint im Stroemfeld/Roter Stern Verlag. Klaus Theweleit lebt er als freier Schriftsteller mit Lehraufträgen in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich. Seit 1998 ist er Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und unterrichtet am Institut für Soziologie / Uni Freiburg.

1 So sein Name in den englischen Schriften. Tatsächlich heißt er Wahunseneka, bei manchen auch Wahunsonacock. Aus Gründen gebotener incorrectness bleibt es hier bei „Powhatan“.

2 Nach James I., König von England, gleichzeitig James VI. von Schottland, Sohn von Maria Stewart, erster Schotte auf Englands Thron, gekrönt 1604: „Jakob I.“ in der deutschen Geschichtsschreibung.

3 So die Greisin Wahwahtaysee zur Ankunft ihres ersten Siedlerschiffs weiter im Norden, der Half Moon, Henry Hudsons Schiff, dem sie als sechsjähriges Kind, im Fluß stehend, zusah, wie es gegen die Strömung kämpfte. T.C. Boyle, World’s End, 1987, S. 41.

4 Wie es zwei Jahre zuvor fünf an der Küste von „Maine“ gekidnapten Indianern ergangen war, die in London herumgezeigt wurden, 1605.

5 Die Powhatans sind keine „Konföderation“, wie oft geschrieben worden ist. Jeder Stamm hat einen Häuptling, Powhatan ist der „paramount chief“, eine art Oberhäuptling. Er hält diese Position teils durch Erbschaft, teils durch kriegerische Unterwerfung anderer Stämme. Die Einzelhäuptlinge sind ihm tribut- und gehorsamspflichtig. (cf. Helen C. Rountree, Pocahontas’s People. Norman u. London 1990, S. 8ff.). Die Algonkin leben dort seit etwa 700 v.u.Z., zugewandert aus dem Norden, umgeben von verstreuten Sioux im Bergland, die 200 Jahre nach ihnen dorthin kamen.

6 Smith spricht von sich in der dritten Person, – „wie Cäsar“, hat Leslie Fiedler spitz angemerkt … wie Cortés in seinen Briefen … P.L. Barbour, (ed.), The Complete Works of Captain John Smith, 3 Bde., Chapel Hill/London 1986, II, S. 151.

7 J.Smith, A True Relation … , Barbour, Smith, I, S. 92. – Laut Kathleen E. Kier, A Melville Encyclopedia… The Novels, Pt. 2, Troy, NY 1990, S. 812, bedeutet der Name Pocahontas soviel wie „sportive“ (= verspielt, mutwillig, scherzhaft, spaßhaft), ihr gegeben, um sie „vor dem evil eye der Engländer zu schützen“.

8 „John White’s narrative of the forth Virginia voyage“, in: The Roanoke Voyages, 1584–1590, David B. Quinn (ed.), New American World, Vol. III, London and Basingstoke, 1995, S. 265–332, 319; und K.O. Kupperman, Settling with Indians, London 1980, S. 14f.