Gute Schauspieler ergeben noch lange keinen guten Film. The Big Wedding – ein Paradebeispiel.
Zur Hochzeit von Adoptivsohn Alejandro kommt die ganze Sippschaft mal wieder zusammen: Schwester Lyla, die sich von ihrem Mann getrennt hat und schwanger ist. Bruder Jared, der sich den ersten Sex für die Ehefrau aufspart, die weit und breit nicht in Sicht ist. Mutter Ellie, die von Vater Don bereits vor zehn Jahren geschieden wurde. Bebe, Ellies beste Freundin, mit der Don Ellie seinerzeit betrogen hat und mit der er seither zusammenlebt. Die Schwiegereltern in spe, Muffin und Barry, die nicht glauben können, dass der Wunschkandidat ihrer Tochter einen so schwer auszusprechenden Namen hat (sprich: Ausländer ist). Missy, Alejandros Angebetete. Vor allem aber kommt Madonna, Alejandros leibliche Mutter, die ihn damals zur Adoption freigab, um ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Sowie Schwester Nuria, die das Klischee der rassigen Latina unnötig offensiv bestätigt und bald schon Jareds Jungfräulichkeitsgelöbnis auf eine im Wortsinn harte Probe stellt. Das eigentliche Problem aber ist: Die Kolumbianerin Madonna ist eine schwer religiöse Frau, die von Ellies und Dons Scheidung nichts weiß und der nun, da wir uns in einer US-amerikanischen Mainstream-Komödie befinden, etwas vorgespielt werden muss. Selbstverständlich gerät die Vortäuschung zum Schmierentheater inklusive Kulisseneinsturz, Generalbeichte sowie Megablamage aller Beteiligten vor versammelter Hochzeitsgästeschar. Haha! Selten so gelacht.
Justin Zackhams The Big Wedding beruht auf dem französisch-schweizerischen Film Mon frère se marie von Jean-Stéphane Bron aus dem Jahr 2006. Möglicherweise war das Original ja lustig. Das Remake hingegen erreicht seiner imposanten Besetzungsliste zum Trotz – neben Robert De Niro, Susan Sarandon und Diane Keaton finden sich darauf Katherine Heigl, Amanda Seyfried, Topher Grace oder Robin Williams – kaum einmal das Niveau einer Telenovela. Karikaturen treffen auf Sparwitze und im dramaturgischen Gebälk kracht es immer mal wieder gewaltig.
Gutwillige mögen in dem Unterfangen den Versuch erkennen, mittels nonkonformen Verhaltens und haufenweiser Regelverstöße Position gegen Prüderie und rigide Moralvorstellungen zu beziehen. Schließlich sind die Fehlerbehafteten am Ende ja doch alle gute Menschen, die sich ganz doll lieb haben. Anderen blutet das Herz angesichts des schauspielerischen Potenzials, das in The Big Wedding ungenutzt bleibt und im Höllenfeuer des Uninspirierten verheizt wird.
