booksellers

Filmkritik

The Booksellers

| Oliver Stangl |
Jäger und Sammler

Die Gründe, warum Menschen rare Bücher sammeln, sind vielfältig: Eine sinnliche Beziehung zum Objekt kann ebenso ein Motiv sein wie Interesse an Geschichte oder ein ausgeprägter Jagdtrieb. Es kann aber auch schlicht das dahinterstecken, was der Engländer „Spleen“ und der Österreicher „an Vogel“ nennt. Wie dem auch sei, all diese Gründe (und mehr) werden in D. W. Youngs Dokumentarfilm The Booksellers – als Erzählerin fungiert Produzentin Parker Posey – adressiert. Der Film taucht ziemlich direkt in die New Yorker Subkultur der Bibliophilen ein, kombiniert Interviews und Archivmaterial mit Impressionen von Antiquariaten und Close-ups seltener Bücher. Gleich zu Beginn fällt im Rahmen der New York Antiquarian Book Fair ein Schlüsselsatz: „Die Welt besteht aus Sammlern und denen, die sie nicht verstehen.“

Nicht selten zeigt der Film Menschen, die tatsächlich exzentrisch und besessen erscheinen: sei es das schrille Outfit, sei es der Umstand, dass die Wohnung so voll mit Büchern ist, dass man kaum noch durchkommt. Man sieht Sammler, die nicht wissen, warum sie sammeln und andere, die aus Leidenschaft in eine Welt des Wissens eintauchen – der fast durchgängige Jazz-Score passt da ganz gut zum intellektuellen Großstadt-Milieu. Thematisiert wird aber auch eine Zeit im Umbruch: Angesichts der Online-Konkurrenz ging die Zahl der Buchläden drastisch zurück. Nur leidenschaftliche Buchhändler, denen die Gebäude selbst gehören, können und wollen es sich leisten, die verlockenden Kaufangebote von Immobilienunternehmen auszuschlagen. Mit diesen Entwicklungen einhergehend sind auch Bücherscouts, die mit detektivischem Gespür und enzyklopädischem Wissen Raritäten aufspürten, fast ausgestorben. Das, was früher als rar galt, ist es nun oft nicht mehr: „In den letzten zehn Jahren ist jedes Stück Mist, das irgendwo rumlag, im Internet gelandet“, heißt es einmal. Die Folge: Sammler haben es durch das Internet leichter, Antiquare können kaum noch überleben. Als Argumente für das physische Objekt werden spezifische Zusatzinformationen ins Feld geführt – Widmungen, Art des Einbands, Papiersorte etwa. Zwischendurch gibt es Anekdoten: So sei ein spanischer Gegenwartsautor beim Anblick einer „Don Quixote“-Ausgabe, die um 120.000 Dollar feilgeboten wird, in Tränen ausgebrochen. Allerdings nicht, weil Cervantes so teuer war, sondern weil die Erstausgabe von Ian Flemings „Casino Royale“ 130.000 Dollar kostete.

So sehr der Film mit Hintergrundinfos und verschrobenen Charakteren besticht, mäandert er gelegentlich ein wenig vor sich hin – ein bisschen mehr roter Faden hätte nicht geschadet. Freunde des gedruckten Wortes werden aber zweifellos Vergnügen an The Booksellers finden.