Betrug unter Freunden: tragikomisches Buddy-Movie, nah an der Realität gebastelt
Es ist eine wahre Hängepartie. Da schleppt man sich bei einer gemeinsamen Radtour den Berg hoch und keucht dem besser konditionierten Freund hinterher, nur damit er einem oben eröffnet, mit der eigenen Verlobten geschlafen zu haben, und man nun doppelt nach Luft ringt. So geht es Kyle (Kyle Marvin) mit Mike (Michael Angelo Covino), und die Hochzeit mit Ava (Judith Godrèche) findet also nicht wie geplant statt. So weit, so bekannt kommt einem die Geschichte vor. Hat man so etwas nicht schon zur Genüge gesehen? Hat Hollywood uns nicht schon Bromance-Comedys sonder Zahl geschenkt?
Mag sein, aber dieser Film ist nicht Hollywood, sondern eben eine wahre, eine echte Hängepartie. Von Beginn weg erweist The Climb sich als witzig, aber nicht würdelos, als extraordinär nah am Leben gebaut. Es ist eine sehr persönliche Geschichte über Hoffnung und Heirat, freundschaftlichen Verrat, Liebe, Scheidung, Lug und Betrug. Und die abgesagte Hochzeit bleibt selbstverständlich nicht das einzige retardierende Moment, welches die Verfasstheit dieser sehr speziellen Männerfreundschaft prägt. Kein Zufall, dass die Filmemacher und Hauptdarsteller Covino und Marvin auch im Leben freundschaftlich eng verbunden sind: Ihr Film ist dramaturgisch wie eine toxische Liebesgeschichte unter Hetero-Männern aufgebaut. Der eine Teil des Odd Couples ist ein unrastiges Pseudo-Alphamännchen, der andere gefällt sich eher in Passivität. Doch auch die Frauen bekleckern sich nicht eben mit Ruhm.
Hierin eine eigenartige Mischung aus Eric Rohmer und der Mumblecore-Sensitivität eines Joe Swanberg zu sehen, wie das Branchenmedium „Variety“ es beschreibt, ist tatsächlich weniger weit hergeholt als es klingt. Das Erzählverfahren mit zeitlichen Ellipsen und Verdichtungen regt zum geistigen Lücken-füllen und Mitfühlen an und ist für eine Indie-Produktion wie diese natürlich auch ökonomisch effizient. Zwischen den vignettenartigen, oft plansequenziell anmutenden Szenen, in denen geradelt, getändelt, getrunken und gestritten wird, sprich, sich Dramatisches ereignet, vergehen schon einmal ein paar Jahre. The Climb, basierend übrigens auf einem Achtminüter von Covino, war eine der Überraschungen der vergangenen Viennale. Wenn zwei einfach nicht voneinander lassen können, obwohl beider Leben dadurch viel schwieriger ist, als es sein könnte, davon letztlich erzählt dieser wunderbar komische und wunderbar menschliche Film.
