Einschläferndes Gerangel diverser Geheimdienste um eine Aktentasche
Im kalten Licht des Tages betrachtet, also nüchtern gesehen, handelt es sich bei The Cold Light of Day von Mabrouk El Mechri um einen jener Filme, die kein Mensch braucht und die mit der Hilfe von Lautstärke und Geschwindigkeit von ihrer Dummheit und Sinnlosigkeit abzulenken versuchen. Vergeblich.
Familie Shaw – Vater, Mutter, die beiden erwachsenen Söhne Will und Josh sowie dessen Freundin – will einen Segeltörn vor Spaniens Küste unternehmen, zwecks Pflege guter Beziehungen angesichts räumlicher Entfernung. Doch kaum ist die Sippe losgesegelt, läuft der Kahn auch schon auf Grund, respektive die ganze Unternehmung schief. Mutter, Josh und Freundin werden entführt, Will und Vater entkommen, dieser jedoch nicht für lange. Gerade noch kann er den Sohnemann von seiner Doppelexistenz unterrichten (irgendwas mit CIA), da segnet er auch schon das Zeitliche. Wer sich also auf einen Bruce-Willis-Film gefreut hatte, sei hiermit gewarnt, das Vergnügen ist nur von kurzer Dauer.
Von nun an jedenfalls muss Will alleine damit klarkommen, dass die Spanier ihn auch dann nicht verstehen, wenn er richtig laut herumbrüllt. Und Will brüllt ziemlich viel herum, weil Henry Cavill, der ihn spielt, offenbar der Meinung ist, hysterisches Geschrei und hektisches Gehampel seien die gebotenen schauspielerischen Mittel, wenn man einen Biedermann zu geben hat, der unter die Brandstifter geraten ist. Atemlos jagen er und die Handlung sowie ein unterwegs aufgegabeltes Mädchen in der Folge durchs schöne Barcelona, was immerhin Gelegenheit zu einer Sightseeing-Tour via Autoverfolgungsjagd gibt.
Vor vier Jahren legte Mabrouk El Mechri mit JCVD ein selbstreferenzielles Action-Drama vor, in dem Jean-Claude Van Damme einen abgehalfterten Actionstar namens Jean-Claude Van Damme spielte und bei dieser Gelegenheit schonungslos und Respekt gebietend mit sich selbst abrechnete. Von der klugen Ironie und reflektierten Empathie dieses Films könnte The Cold Light of Day mit seinen zynischen Klischees und seiner formalen Öde nicht weiter entfernt sein. An die reizvollen Möglichkeiten des Spiels mit Metaebenen erinnert allenfalls von Ferne Sigourney Weaver, die als Edelcharge und Zitat ihrer selbst einem Panzer gleich durch den Drehbuchsalat brettert. Den Kontostand fest im Blick und die Waffe stur auf Will gerichtet, marschiert sie unbeirrt: die eisige Lady, die nicht aufhören will, den Buben im Sandkasten den Spaß zu verderben. Und Schlimmeres.
