Großes Finale von Christopher Nolans Batman-Trilogie
Zu Beginn ist vom Image des Superhelden nicht viel übrig geblieben. Nachdem Batman die Schuld für die Verfehlungen von Staatsanwalt Harvey Dent auf sich genommen hatte, um dessen Andenken zu bewahren, ist die Beliebtheit des dunklen Ritters auf Null gesunken. Also hat Bruce Wayne seinem Alter Ego eine mehrjährige Auszeit gegönnt und sich auf seine Existenz als Multimilliardär beschränkt. Doch der völlige Rückzug ins Privatleben hinterlässt physische und vor allem mentale Spuren, Bruce Wayne mutiert zum sichtlich angeschlagenen Eremiten, der nur mehr mittels seines treuen Butlers Alfred Kontakt mit der Außenwelt hält. Doch dieses selbst gewählte Exil findet ein jähes Ende, als eine mysteriöse Dame namens Selena Kyle sich nicht nur Zugang in die privatesten Räume von Wayne Manor verschafft um den Familienschmuck zu stehlen, sondern sich auch noch der Fingerabdrücke des Besitzers bemächtigt. Schon bald dämmert es Bruce, dass Unheil von gigantischem Ausmaß auf ihn und seine Heimatstadt Gotham City zukommt – Zeit also, Batman wieder antreten zu lassen.
Mit übergroßen Erwartungen war Christopher Nolans Abschluss seiner Batman-Trilogie seit Längerem behaftet. Es mag an diesem ausuferndem Anspruchsdenken liegen, wenn The Dark Knight Rises möglicherweise nicht der Erwartung, der ultimative, alles bisher Dagewesene in den Schatten stellende, Film zu sein, gerecht werden kann. Nolan hat da mit dem Vorgänger, The Dark Knight, die Latte einfach zu hoch gelegt, The Dark Knight war die kongeniale Verschmelzung von Autorenfilm und globalem Blockbuster, die trotz ihres, den Konventionen des Mainstream-Kinos widersetzenden, bruchstückhaften Erzählduktus zum Mega-Erfolg wurde und das Chaos inhaltlich wie formal äußerst effektiv zum Stilprinzip erhob. Dass Heath Ledger dabei mit seiner Darstellung des Jokers einen der genialsten Schurken der Filmgeschichte erschuf, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Zieht man nicht ständig diesen Vergleich als einzigen Maßstab heran, erweist sich The Dark Knight Rises als ein Film, der die übliche Blockbuster immer noch um einiges überragt. Das liegt zunächst einmal daran, dass Christopher Nolan zu den wenigen Regisseuren des gegenwärtigen Kinos zählt, der einen derartigen Film über routiniert in Szene gesetzte CGI-Materialschlachten hinausgehend eine epische Breite von ungeheurer Wucht zu verleihen vermag. Wenn Batman nach einer Reihe von Rückschlagen in gewohntem Outfit endlich wieder den Kampf gegen Bösewichter unterschiedlichster Provenienz aufnimmt, wird der dunkle Ritter dieser Bezeichnung voll gerecht und zu einer beinahe mythischen Gestalt voll archaischer Kraft. Zudem bietet Nolans Batman–Trilogie – und The Dark Knight Rises macht da keine Ausnahme – kein reines Abdriften in phantasievolle Welten sondern knüpft sie – im Gegensatz zu vielen anderen Comic-Verfilmungen – immer recht eng an eine reale Welt. Gotham City ist nicht nur optisch leicht als Abbild von New York zu identifizieren, brandaktuelle Themen wie Terrorangst und Finanzkrise bilden den Rahmen für die Auseinandersetzung, die sich Batman mit seinem diesmaligen Antagonisten Bane und seinen Helfershelfern quer durch Gotham City liefert.
Nolan setzt in diesem Finale die in den ersten beiden Teilen der Trilogie so glänzend etablierte düstere Grundstimmung fort und greift ein zentrales Motiv erneut auf: Die moderne Welt in ihrem gegenwärtigen Zustand ist nur einen kleinen Schritt vor dem Sturz in Chaos und Anarchie entfernt. Um diesen Sturz zu verhindern, muss der dunkle Ritter ein letztes Mal seine Rolle als einsamer Kämpfer für Gerechtigkeit antreten. Dass Batman dabei ein höchst ambivalenter, zerrissener Charakter ist, der seine Fehler und Schwächen aufweist, macht ihn ja bereits in der Comic-Vorlage zur spannendsten Figur unter allen Superhelden. Christopher Nolans Batman-Filme arbeiten diese Ambivalenz der Titelfigur kongenial heraus, was nicht unwesentlich dazu beiträgt, ein Epos wie The Dark Knight Rises weit gehend ohne aufgesetztes Pathos auskommen zu lassen. Kleine Schwächen – die Auftritte von Selena Kyle aka Catwoman erscheinen narrativ nicht immer ganz plausibel und erinnern manchmal an den Deus ex machina – kann man da nachsehen. Die Herrschaft des Chaos kann ja schließlich nicht ganz ohne Folgen bleiben.
