Denzel Washington allein gegen die russische Mafia
Er tritt cooler auf als James Bond und ist eine zwiespältige Persönlichkeit wie der Dark Knight, doch zur Verbrecherjagd benutzt er kein Batmobil, sondern den Linienbus. Anfangs macht er einen ganz normalen, netten Eindruck. Robert McCall arbeitet in einem Baumarkt, ist beliebt bei den Kollegen, mag die Musik von Gladys Knight und leidet an Schlafstörungen. Daher sucht er nachts regelmäßig sein Stammlokal auf, wo er Bücher liest und eine blutjunge russische Prostituierte kennenlernt. Als die krankenhausreif geprügelt wird, knöpft er sich ihren Zuhälter vor und massakriert ihn mitsamt seinen Komplizen. Das Blutbad ruft einen extrem kaltblütigen Killer aus Russland auf den Plan, der sich als formidabler Gegner für McCall erweist.
Antoine Fuqua ist bekannt als handwerklich versierter Regisseur des Genrekinos. Mit The Equalizer ist ihm ein Meisterwerk in Sachen Action gelungen. Schnitt und Timing der an passenden Schauplätzen wie einem Schlachthaus gedrehten Kampfhandlungen sind perfekt, der Wechsel mit stimmungsvollen oder darstellerisch starken Sequenzen ist ausgewogen. Das auf der gleichnamigen TV-Serie (1985–1989) basierende Drehbuch verbindet vortreffliche Dialoge mit einer Vielfalt geschickt verknüpfter Szenarien und prägnant charakterisierter Figuren, die bis in die Nebenrollen optimal besetzt sind. In einer der schauspielerisch besten Szenen versucht der von Marton Csokas mit diabolischem Charisma verkörperte Superbösewicht bei einem Glas Wein im Restaurant, McCall den Schneid abzukaufen, doch der kontert souverän.
Es kommt, was kommen muss: ein ultrabrutal geführter Wettstreit zwischen den Antagonisten aus Ost und West. Dieser gipfelt in einer furiosen Finalschlacht im Baumarkt, wo sich McCall bestens auskennt und alle möglichen Werkzeuge zum Töten von schwer bewaffneten, wild um sich feuernden Russen-Mafiosi vorfindet.
Mit Denzel Washington hatte Fuqua bereits bei Training Day erfolgreich zusammengearbeitet, hier lässt der Regisseur ihn meist sehr beherrscht agieren, wodurch seine Gewaltattacken umso frappierender erscheinen. Brillant ist McCalls ansatzweise Charakterisierung zu Filmbeginn, nicht durch Worte, sondern durch geschmeidig montierte Bilder aus seiner Wohnung, die ihn als achtsamen Menschen ausweisen. Sein Vorleben bleibt bis zum Schluss rätselhaft. Vielleicht erfährt man ja in der geplanten Fortsetzung mehr.
