Filmkritik

The First Avenger: Civil War / Captain America: Civil War

| Ralph Umard |
Hochspektakulärer und zugleich menschlich eindringlicher Marvel- Superheldenfilm mit einer Vielzahl namhafter Stars

Rache ist das zentrale Handlungsmotiv im bislang besten Avengers-Film, doch es geht auch um Freundschaft, Loyalität und die Frage, ob massive Gewaltanwendung ohne Rücksicht auf Menschenleben oder Völkerrecht bei der Verbrechens- und Terrorbekämpfung gerechtfertigt ist. Ein afrikanischer Prinz (Chadwick Boseman) will den bei einem Bombenattentat getöteten Vater rächen. Ein mysteriöser Bursche namens Zemo (Daniel Brühl) ist ebenfalls von Rachsucht besessen, und Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) will den Mörder seiner Eltern zur Strecke bringen.

Nachdem bei Kampfeinsätzen der Avengers massenweise unschuldige Menschen umkamen und ganze Häuserblocks in Schutt und Asche gelegt wurden, soll die private Einsatztruppe per UNO-Mandat unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Stark beugt sich dem politischen Druck, während Captain America weiter unabhängig operieren will. Es kommt zur Spaltung in zwei Lager: der Captain mit Falcon, Winter Soldier, Scarlet Witch, Hawkeye und Ant-Man auf der einen Seite; Black Widow, War Machine, Vision und Black Panther schließen sich Iron Man an, der zur Verstärkung Spider-Man für den erbitterten Kampf gegen das Team des Captains rekrutiert.

(Der Film basiert relativ lose auf der 2006 erschienenen Marvel-Comicreihe „Civil War“, die bereits im Titel einen recht eindeutigen Bezug zum amerikanischen Bürgerkrieg herstellte.)

Die blitzschell geschnittenen, hyperkinetischen Actionsequenzen des Films sind visuell überwältigend gestaltet, nicht nur mittels CGI-Technik, es kommt auch zu atemberaubenden Martial Arts-Duellen und handfesten Prügeleien. Dazwischen gibt es emotionale, gefühlsbetonte Szenen mit teils humorvollen, teils nachdenklich stimmenden Dialogen, die Mischung ist ausgewogen. Die Hauptfiguren werden eingehend charakterisiert, die hochkarätige Besetzung trägt zusätzlich zum guten Gesamteindruck bei. Robert Downey Jr. ist der ausdrucksstärkste Schauspieler, er stellt Iron Man als einen zur Überheblichkeit und Rechthaberei neigenden Egozentriker dar. Die tragische Figur des Winter Soldiers, der mittels Gehirnwäsche zum Auftragskiller wird, kann Empathie evozieren; für gute Laune sorgt Tom Holland als blutjunger Spiderman.

Eine Fortsetzung ist vorprogrammiert, im von Anthony Russo als „Nashville for superheroes“ angekündigten Zweiteiler Avengers: Infinty War sollen nicht weniger als 67 Charaktere auftreten.