The Martian

Ich schaffe gerne neue Welten

| Elaine Lipworth |
In Ridley Scotts „The Martian“ muss ein auf den Mars gestrandeten Astronauten im Kampf ums Überleben auf rustikale irdische Fähigkeiten zurückgreifen

Inmitten der vielen Projekte, mit denen Sie sich befassen, was genau hat sie an dieser Geschichte fasziniert?

Die Romanvorlage war ebenso unterhaltsam wie herausfordernd, sowohl Form und Inhalt betreffend, das würde nicht auch noch irgendein weiterer Weltraumfilm werden. Es ging einfach um „Du kannst überleben“. Wenn man das Buch sorgfältig liest, wird es beim Überleben helfen. Und amüsant ist es obendrein. Es ist eine gute Lektion für uns alle, wenn man das im Leben anwendet, wird man heil in einem Stück herauskommen.

Was ist aus ihrer Sicht das zentrale Thema? Die Entschlossenheit, niemanden zurückzulassen?

Absolut, das hat auch Priorität für die NASA und das Jet Propulsion Laboratory. JPL ist eine Wissenschaftler-Gemeinde in Kalifornien, die Instrumente und Roboter für den Einsatz im Weltall konstruieren. Die beiden Organisationen pflegen recht unterschiedliche Unternehmenskulturen, bei der NASA sind die Anzugtypen und bei JPL gibt es lauter Hippies. Aber sie arbeiten gut zusammen und lassen niemals jemanden zurück. Und das geschieht auch in unserer Geschichte, man wird alles versuchen, um Watney nach Hause zu bringen. Das ist eine mitreißende Geschichte um die Frage, wird Watney so lange überleben, um gerettet werden zu können?

Es muss spannend gewesen sein, die Mars-Landschaft zu kreieren, wie sind Sie da herangegangen?

Ich habe schon für Exodus: Gods and Kings in Wadi Rum in Jordanien gedreht, daher wusste ich, dass sich dieser Platz gut dafür eignet. Bevor wir aber anfingen im Studio in Budapest zu drehen, haben wir die Felsen in Wadi Rum aus allen Winkeln mit Digitalkameras für die Szenen mit dem Habitat gefilmt. Als wir dann in Budapest – und das ist ein sehr großes Studio, größer als jenes in Pinewood, wo die Sets für die Bond-Filme gebaut werden – , die Marslandschaft nachgebaut haben, konnte ich Bilder aus Wadi Rum einfügen, sie werden nicht merken, was Wadi Rum und was Studiosets sind.

Warum haben Sie entschieden, The Martian in 3D zu drehen?

Ich liebe die 3D-Technik, ich fühle mich damit so wohl wie eine Ente im Wasser. Ich mag einfach diese Vorstellung, dass man den Kinosaal betritt, sich die Brille aufsetzt und in spezielle Welt hineingezogen wird. Das verschafft dem Zuschauer einfach eine zusätzliche Dimension, und speziell in diesem Film wird man in die Landschaft förmlich hineingezogen, und das liebe ich.

Sie haben unlängst erwähnt, dass Sie das Science-Fiction-Genre besonders schätzen, was fasziniert Sie daran, fremde Welten zu kreieren?

Das ist eine besondere Herausforderung, da kommt wieder der Designer in mir heraus. Ich habe immer diesen Aspekt des Filmemachens geliebt, das Schaffen ganz anderer Welten. Dabei spielt es für mich keine Rolle ob es sich um vergangene Epochen handelt, wie etwa Kingdom of Heaven mit den Kreuzrittern oder eine futuristische Welt, die Herausforderung bleibt die gleiche. Futuristische Welten finde ich sogar schwieriger, bei vergangenen Zeiten hat man wenigstens historische Referenzpunkte, doch im Fall von futuristischen Welten muss man acht geben, sich nicht selbst zu wiederholen, man muss also aufpassen wie Raumanzüge, Raumschiffe aussehen, das ist immer eine faszinierende Herausforderung.

Wie wichtig war die Kooperation mit der NASA für The Martian?

Zunächst war es großartig von der NASA so eine enthusiastische Unterstützung zu bekommen. 14 Vertreter der NASA haben den Film bereits gesehen und waren ziemlich begeistert. Sie haben gemeint, das würde ihnen helfen, Geldmittel zu akquirieren. Sie haben uns mitgeteilt, wie ihrer Ansicht nach Raumanzüge und Fahrzeuge in näherer Zukunft aussehen würden, doch ich hatte andere Vorstellungen. Als wir ihnen dann unsere Raumanzüge für den Film vorgeführt haben, meinten sie: „Oh, das ist aber cool“.

Werden wir in naher Zukunft einen bemannten Flug zum Mars erleben?

Ja, das denke ich schon. Die NASA war auch von dem Roman und dem Film so angetan, weil da mehr oder weniger gezeigt wird, wohin die Entwicklung in technologischer Sicht gehen wird. Die Zusammenarbeit zwischen der NASA und JPL ist ziemlich genau dargestellt, das hat den NASA-Leuten auch gut gefallen. Ich glaube sie wären lieber in zehn Jahren auf dem Mars als in zwanzig.

Was die Besetzung angeht, kamen Matt Damon und sie gleichzeitig zu diesem Projekt?

Nein, Matt war vor mir mit dabei. Drehbuchautor Drew Goddard hatte beim Schreiben schon Matt Damon für die Rolle Mark Watneys ins Auge gefasst, Drew sollte auch die Regie übernehmen. Irgendwer sagte zu mir, ich sollte das Skript unbedingt lesen, weil Drew möglicherweise andere Pläne hat. Ich habe  das Skript also gelesen und war begeistert, ich wollte den Film machen, als nächstes Projekt. Zum dem Zeitpunkt habe ich noch mit Prometheus 2 herumgequält, meine erste Frage an Drew war: „Warum machst du das nicht?“ Er sagte nur: „Weiß ich eigentlich gar nicht.“ Also traf ich mich mit Matt und wir gingen an die Arbeit.

Für Matt Damon ist das eine herausfordernde Rolle, weil er über weite Strecken allein agieren muss.

Genau, er ist auf sich allein gestellt und muss die Szenerie allein ausfüllen und den Spannungsbogen aufrechterhalten. Jeder der Matt kennt weiß, dass er über eine gehörigen Sinn für Humor verfügt, ich würde es Galgenhumor nennen, und es war enorm wichtig, einen solche Art von lakonischen Humor in die Figur einzubringen. Solche Elemente sind wichtig für das Gelingen eines Films, ich habe wirklich gern mit Matt zusammengearbeitet.

Sie konnten auch Jessica Chastain für die Rolle von Commander Melissa Lewis gewinnen

Ich denke, das ist eine großartige Rolle für Jessica, auch wenn einige, die sie nicht für eine physisch intensiv agierende Schauspielerin halten, sie vielleicht nicht in einer solchen Rolle erwarten würden. Aber ich habe The Debt gesehen, wo Jessica eine Agentin gespielt hat, und da war ich überzeugt, dass sie jede Rolle meistern kann. Aber es gibt jede Menge starke Auftritte in The Martian, wie etwa Jeff Daniels, Sean Bean, Chiwetel Ejiofor, Kristen Wiig oder die ganze Mannschaft der Ares-Mission

Sie bevorzugen es, die Sets tatsächlich aufzubauen und CGI-Effekte auf ein Minimum zu beschränken, wie war bei The Martian?

Wir haben das Innere des Raumschiffs gebaut, sogar manche Teile außen, die wir dann digital erweitern konnten. Wenn ich es mir leisten kann, werde ich Sets bauen, ich mache das für die Schauspieler und sie lieben es.