Netflix-Film

The Midnight Sky

| Andreas Ungerböck |
George Clooney serviert ein enttäuschendes Weihnachtsmenü, bestehend aus uninspirierter Science-Fiction und rührseligem Melodrama.

Es hatte alles so gut begonnen: Mit Confessions of a Dangerous Mind (2002) und vor allem Good Night, and Good Luck. (2005) schickte sich der Star-Schauspieler Clooney an, ein profilierter Regisseur zu werden. Doch spätestens bei der Weltkriegs-Schmonzette The Monuments Men (2014) waren schwere Bedenken anzumelden, ein Eindruck, der sich bei Suburbicon (2017), nach einem Drehbuch der Coen Brothers, weiter verstärkte. Genrekino, so muss man das sagen, das ist offenbar nicht George Clooneys Stärke, und wer das nicht glauben will, der kann sich von seinem Netflix-Debüt The Midnight Sky eines Besseren belehren lassen. Schon die (Debüt-)Romanvorlage „Good Morning, Midnight“ von Lily Brooks-Dalton war kein wirklicher Heuler, und dass Mark L. Smith, immerhin Ko-Drehbuchautor von The Revenant und Autor des dräuenden Tarantino-Star-Trek-Spektakels, sie adaptiert hat, nützt leider auch nichts.

Dabei – anfangen tut es auch hier gut. „2049, drei Wochen nach dem Ereignis“, wie ein Insert lapidar verkündet, fliehen alle Menschen, die in der oder um die Barbeau-Sternwarte am nördlichen Polarkreis gearbeitet und gelebt haben, mit den letzten Hubschraubern in Richtung Zivilsation. Nur einer bleibt zurück: der schwer kranke Forscher Augustine Lofthouse (Clooney selbst, der sich hier, mit Mel-Gibson-Rauschebart, sichtlich lustvoll ins Altersfach begibt). Aber Lofthouse hat, wie wir bald sehen, noch einen Grund, auf der Station zu bleiben: Hier nämlich hat er, zumindest sporadisch, Kontakt zum Raumschiff Aether, das soeben von einer zweijährigen Mission vom neu entdeckten Planeten K-23 zurückkehrt. Dieser, so hat die Aether-Besatzung herausgefunden, würde sich durchaus eignen, um der Menschheit in Zukunft als Lebensraum zu dienen.

Warum Lofthouse das Raumschiff bzw. dessen Besatzung so wichtig ist, erfahren wir im Laufe der Geschichte und anhand mehrerer Rückblenden, und wer diese Flashbacks aufmerksam betrachtet, kann es auch bald mit Händen greifen. Das ist das eine Problem des Films, wenngleich die Handlung am Polarkreis, mit Nachsicht aller Taxen, als durchaus okay durchgeht. Zwingend logisch ist sie nicht. Warum zum Beispiel alle von dort flüchten, obwohl es offenbar einer der wenigen nicht verseuchten Orte der Erde ist, bleibt rätselhaft. Die größere Krux aber ist das klischeehafte, um nicht zu sagen einfältige Geschehen an Bord des Raumschiffs, wo die selbstverständlich ethnisch ausgewogene Besatzung (zwei Weiße, zwei African-Americans, ein Latin-American, nur auf Native- und  Asian-Americans hat man geflissentlich verzichtet) auf die Erde zusteuert. Was die Mannschaft – trotz modernster Kommunikationssysteme – nicht weiß, ist, dass es auf der Erde eben jenen zu Beginn angesprochenen „Zwischenfall“ gegeben hat. Bis das Team endlich mit Dr. Lofthouse in Kontakt kommt, vergeht viel Zeit, die gefüllt wird mit den handelsüblichen technischen Kalamitäten (Meteoriten!) und ausgesprochen flauen Späßchen zwischen den Crew-Mitgliedern. Eine von ihnen (Felicity Jones, deutlich unterfordert) ist nämlich schwanger, und sie wird ein Mädchen bekommen – haha, wie lustig!

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Regisseur und Autor nicht einen einzigen Gedanken darauf verschwendet haben, wie man den Raumflug anders oder interessanter gestalten hätte können. Clooney, so scheint es, ging es vor allem um die Geschichte seiner Figur auf der Erde, und so zerfällt der Film eigentlich in zwei Teile, die gegen Schluss schnell, schnell unter einen Hut gebracht werden müssen. Und auch da zeigt man sich leider nicht sehr inspiriert. Ein schönes Schlussbild kann da auch nichts mehr retten.