Christopher Nolan setzt ein Verwirrspiel um Mord und Magie in Szene.
Bevor Georges Méliès das frühe Kino um illusionistische Tricks bereicherte, war er in einem Theater, das er dem legendären Magier Robert-Houdin abgekauft hatte, als Zauberer aufgetreten.
Die Bühnenshow des späteren Filmpioniers darf man sich wohl so ähnlich vorstellen, wie die der beiden Hauptfiguren aus The Prestige. Doch während Méliès seine Kunststücke bereits um Vorführungen der Laterna Magica ergänzte, fehlt in diesem Thriller jeder Hinweis auf die zeitgenössische Erfindung des Kinos oder auf dessen technische Vorläufer. Regisseur Christopher Nolan ist anscheinend nur am Rande um das Zeitkolorit des spätviktorianischen London bemüht und lenkt das Augenmerk statt dessen gezielt auf die ausgetüftelte Tricktechnik seiner beiden Illusionisten – um dann umso wirkungsvoller die Frage nach „echter“ Magie aufzuwerfen. Alfred Bordon (Bale) wird des Mordes an seinem Konkurrenten Rupert Angier (Jackman) angeklagt, der nach einem Bühnenauftritt in einem gläsernen Bassin ertrunken ist. Die beiden Magier hatten einst gemeinsam als Zauberergehilfen gearbeitet, bis Bordon auf der Bühne den Unfalltod von Angiers Frau verursachte. Als beide Männer in den Folgejahren Solokarrieren begannen, erwies sich Bordon als der erfindungsreichere, Angier jedoch als der charismatischere Illusionist. Zu seinem Erfolg trugen nicht zuletzt seine Assistentin und Geliebte Olivia (Scarlett Johansson) sowie der für die Tricktechnik zuständige Ingenieur Cutter (Michael Caine) bei. Doch keinem der drei gelang es, hinter das Geheimnis von Bordons spektakulärstem Trick zu kommen, den der unter dem Titel „Der transportierte Mann“ aufführte.
Um diese Geschichte zu erzählen, bedient sich Christopher Nolan, wie schon in seinen beiden Filmen Following und Memento, verschachtelter Rückblenden, wobei The Prestige wie ein besonders kühner Zaubertrick angelegt ist: Die Lösungsansätze werden nämlich schon früh in jeweils anderem Zusammenhang eingestreut, während Wally Pfisters unaufdringliche Handkamera dem Zuschauer einen einzigen Anblick auffallend hartnäckig vorenthält. Die Spannung speist sich dabei aus der heraufdämmernden Ahnung, welchen Ausgang die Handlung schließlich nehmen wird. Doch vom Grad der Überraschung, den man über die Schlusswendung empfindet, hängt auch das Ausmaß der jeweiligen Enttäuschung ab. Denn es ist wohl nicht zu viel verraten, wenn man anmerkt, dass auch die behauptete Tragik der Geschichte sich letztlich als hohler Zauber entpuppt.
