Liebe in Zeiten des Völkermords
Während des Ersten Weltkriegs brachten die herrschenden Türken im untergehenden Osmanischen Reich einen Großteil der armenischen Bevölkerung um, schätzungsweise eine bis eineinhalb Millionen Menschen. Genozidvorwürfe werden von offizieller türkischer Seite bis heute hartnäckig zurückgewiesen.
Der nordirische Autor und Regisseur Terry George (Hotel Rwanda, 2004) arbeitet das historische Geschehen in klassischer Hollywoodmanier à la Doctor Zhivago an Hand einer Dreiecks-Liebesgeschichte auf, ohne die Hintergründe für die Greueltaten der Türken zu beleuchten. (Auf dramaturgisch und inhaltlich ganz ähnliche Weise stellt die von Joseph Ruben fast zeitgleich in Anatolien gedrehte türkische ProduktionThe Ottoman Lieutenant das Geschehen aus einem anderen Blickwinkel dar.)
Bei The Promise handelt sich um ein selber finanziertes Wunschprojekt des 2015 verstorbenen Multimilliardär Kirk Kerkorian, dessen armenische Eltern zu Beginn der Gemetzel 1915 in die USA geflüchtet waren. Die exquisite Bildgestaltung und opulente Ausstattung des epischen Films sind beeindruckend, elegische Musik verstärkt die emotionale Wirkung. Der armenische Medizinstudent Mikael (Oscar Isaac) verliebt sich in die armenische Lebensgefährtin des versoffenen US-Reporters Chris (Christian Bale). Beide wollen die beherzte Ana (Charlotte Le Bon) im Verlauf der Handlung für sich gewinnen, die Charakterdarstellung der Männer ist heroisierend. Die Türken werden, von einem hilfsbereiten Offizier und einem Vizegouverneur abgesehen, als brutale chauvinistische Fanatiker porträtiert.
Zunächst geht es um die heimliche Romanze von Ana und Mikael. Dann fallen die Türken über Armenier her, schockierende Szenen zeigen Pogrome, Hinrichtungen und Massaker, Mikael muss mörderische Zwangsarbeit verrichten. Doch durch die Fokussierung auf die wechselhaften Liebesbeziehungen – mal liegt Ana in den Armen ihres Landsmanns Mikael, danach kehrt sie wieder zu ihrem eifersüchtigen Partner Chris zurück – werden die Verfolgungsjagden, Feuergefechte und Gewalttaten instrumentalisiert als Action-Elemente im Rahmen einer Love-Story, und so gewissermaßen trivialisiert. Gegen Ende der Tragödie zieht Regisseur George dann alle Register der Gefühlsorgel: Wenn die beiden unglücklich verliebten Männer sich weinend in den Armen liegen, wird es so übertrieben melodramatisch, dass es schon kitschig wirkt.
