The Sessions

| Pamela Jahn |

Let’s talk about sex, baby!

Mark O’Brien (John Hawkes) will es jetzt wissen. 38 Jahre alt, ganzkörpergelähmt und Jungfrau, fasst er den Entschluss, sein sexuelles Verlangen nicht länger zu unterdrücken und bestellt sich unter dem Segen seines Priesters (William H. Macy) eine Sex-Therapeutin (Helen Hunt) ins Haus, die darauf spezialisiert ist, sich den Bedürfnissen behinderter Männer anzunehmen. Alles hochprofessionell natürlich, da unter der Obhut des San Francisco Institute for Advanced Study of Human Sexuality, einem unabhängigen Forschungszentrum, das diesen Service bereits Ende der achtziger Jahre anbot. So wie es auch Mark O’Brien tatsächlich gegeben hat, der seit seiner Kindheit infolge einer Polioerkrankung gelähmt war und der bis zu seinem Lebensende, um Atmen zu können, die meiste Zeit des Tages in einer Eisernen Lunge verbrachte. Trotz allem machte Mark seinen Uni-Abschluss, arbeitete in seiner Heimatstadt Boston als Journalist, schrieb Poesie und kämpfte mit sich und der Krankheit ums Überleben, bis es irgendwann nicht mehr weiterging. Das war am 4. Juli 1999.

Bevor The Sessions zum Sundance-Hit 2012 und internationalen Festivalliebling avancierte, war der Film das langgehegte Wunschprojekt seines Regisseurs Ben Lewin, der selbst als Kind an Polio erkrankt war. Entstanden ist daraus schließlich ein mit Helen Hunt als Sex-Profi  und John Hawkes als willigem Schüler exzellent besetztes Indie-Komödien-Drama, ein warmherziger und entwaffnender Film, der sich völlig und ausschließlich auf die Geschichte konzentriert, um die es geht, und auf die Figuren, deren Leben sie ist. Keine mit unnötigen Sentimentalitäten bestückte Farce, die sich auf dem Humor ausruht, mit dem Mark seine Umgebung einnimmt, sondern ein behutsam gestrickter Handlungsraum, der zugleich eine ethische und eine psychologische Dimension trägt.

Das eigentliche Wunder des Films ist jedoch Helen Hunt, die sich auf eine Weise der Kamera ausliefert, die man allzu gern für die ungeschminkte Wahrheit halten möchte, wenn man nicht wüsste, dass auch dies nur eine Illusion ist. Über ihrem Leuchten übersieht man leicht, dass John Hawkes ein perfekter Partner ist, der bewegungslos und aus der Waagerechten ein faszinierendes Mosaik an Stimmungsnuancen und charakterlichen Facetten herauszuarbeiten vermag, das manch anderer Schauspieler im vollen Einsatz seiner Kräfte nicht zu Stande bringt. Streng genommen ist The Sessions vielleicht ein Sexfilm, oder zumindest ein Film, in dem nicht endlos nur um den heißen Brei geredet wird. Tatsächlich liegt da unter der Bettdecke allerdings ein überaus charmanter Liebesfilm versteckt, ein Freundschafts- und ein Würdefilm.