Die bei Taschen erschienenen Stanley Kubrick Archives spiegeln allein durch ihre Ausdehnung das Gewicht dieses Monolithen der Kinogeschichte.
„Stanley Kubrick war ein wachsamer Mensch. Er las Verträge und maß die Größe von Werbeanzeigen mit der selben peinlichen Genauigkeit aus, mit der er Szenen nachdrehte oder umschnitt. Wie ein Fotograf hoffte er stets, dass sich aus der Wiederholung etwas Besseres ergeben könnte. Er war ein Jäger, der beobachtete und wartete und nie sagen konnte, worauf.“
So schreibt der Autor und Dramaturg Frederic Raphael in seinem Buch Eyes Wide Open, das während der Vorbereitung der Dreharbeiten zu Kubricks letztem Film entstand und 1999 unter dem Titel Speaking with Kubrick erstmals bei Orion erschien.
Kubrick war introvertiert, pedantisch, ein Evening News-Junkie und ein derart begnadeter Schachspieler, dass sogar Kasparow beeindruckt gewesen wäre. Über seine Arbeitsweise sprechen die bei Taschen erschienenen Stanley Kubrick Archives Bände. Ein Werk, das allein durch seine schiere Ausdehnung das Gewicht dieses Monolithen der Kinogeschichte spiegelt: 800 großformatige Abzüge direkt aus den Kopien seiner Filme, weitere 800 Abbildungen, Archivbilder, Plakatmotive, Setfotos, Skizzen, Drehpläne, Auszüge aus Scripts, faksimilierte Memos und Karteikar- ten, Notizen, Interviews. Kurz: eine filmhistorische Sammlung von allem, was Kubricks Nachlass hergegeben hat.
Teil eins des monumentalen Werks enthält – ohne Texterklärungen – in chronologischer Abfolge Filmstills aus seinen Filmen. Teil zwei widmet sich den Entwicklungsstufen der Arbeiten des perfektionistischen Meisters aller Genres. Jedem Exemplar liegt eine Audio-CD bei, auf der einige Interviews mit Kubrick aufgezeichnet sind, und jeweils ein Originalstreifen der 70-mm- Kopie von 2001 – Odyssee im Weltraum. Die Bezeichnung „opulent“ für all das wäre eine maßlose Untertreibung.
