Stefan Gärtner, Oliver Nagel und Mark-Stefan Tietze arbeiten beim Satiremagazin Titanic in Frankfurt und (Pressetext) „füllen als Junge Redakteure selbst mittelgroße Hallen problemlos mit komischen Geräuschen und bunten Lichtbildern. Sie sind die Erfinder des legendären Fotzenfritz (CDU), die Begründer der spekulativen Thomas-Bernhard-Parodistik und die Autoren des Erfolgsbuchs Warum Männer unter der Dusche pinkeln und Frauen sich nackt fotografieren lassen. Im Rahmen einer Multimediashow vom Feinsten widmen sich die drei Jungstars der Holzhammersatire gesellschaftlich relevanten Topthemen wie dem Ende von Modern Talking, der Geschichte des Terrorismus und der Springer-Presse und informieren über christliche Humorseminare im Taunus, das Wohnzimmer von Osama bin Laden sowie das Ende der Grünen.“
Grund genug für ray, via Mail ein brisantes Exklusiv-Interview mit einem der Jungen Redakteure zu führen. Weil Oliver Nagel, der grundsätzlich (Pressetext) „den ganzen Tag vorm Internet sitzt und das ‚Online-Redaktion’ nennt (www.titanic-magazin.de)“, angeblich vor dem verantwortlichen ray-Redakteur nach Italien flüchtete, musste Stefan Gärtner einspringen. Von Amts wegen ist Gärtner verantwortlich für die „Briefe an die Leser“. Gemeinsam mit Nagel und Tietze (der die Titanic-Rubrik „Vom Fachmann für Kenner“ betreut) wird er von 18. bis 20. September im Wiener Kabarett Niedermair gastieren. Eine Lesung der drei sei „wie ein Zwei-Stunden-Orgasmus mit Hose an“, berichtet kabarett.at.
Wie lustig ist es, sich über einen Krieg lustig zu machen?
Kommt auf den Krieg an, und auf den Witz. Ein guter Witz ist immer erst mal ein guter Witz; aber er ist nur so gut, wie es die Realität zulässt.
Ehrlich: Von wem stammt dieses Zitat?
Gärtner, Stefan Gärtner, dt. Autor und Aushilfsphilosoph (*1973).
Das Cover der aktuellen Titanic-Ausgabe empfiehlt Israel, Bomben auf Bayreuth zu werfen. Waren Sie mal selber dort? Was löst eigentlich den Vernichtungswunsch aus?
Nein, nie, und habe es auch nicht vor, es ist dies dann doch eine gar zu feine und kunstferne Gesellschaft. Ein Vernichtungswunsch im eigentlichen Sinne besteht aber natürlich nicht, dafür käme man ja ins Gefängnis. Aber ein paar Wasserbomben drauf, warum nicht!
Wer hat mehr Witzpotenzial: Bush oder Ahmadinejad?
Spinner und Irre sind generell gut. Wobei die beiden fast schon zu irre sind.
Wer ist die größte Witzfigur aus Ösiland?
A. Heller, A. Hitler (in dieser Reihenfolge!).
Aha. Was ist mit Schwarzenegger?
Hin und wieder auch. Wie er in Terminator 3 mit dem Kranwagen die Straße bzw. Anrainer zersäbelt, das fand ich lustig.
Sollbruchstelle und Frage an den Aushilfsphilosophen: Wie ernst ist die Welt eigentlich noch zu nehmen? Immerhin müssen Frauen auf Flugreisen mittlerweile ihre Tampons einzeln in transparenten Beuteln transportieren.
Stets so ernst, wie es für einen guten Witz nötig ist.
Warum pinkeln Männer unter der Dusche und lassen sich Frauen nackt fotografieren?
Frauen lassen sich nackt fotografieren, damit Männer die Zeit, die sie beim in die Dusche Pinkeln gespart haben, mit dem Betrachten von Nacktfotos sinnvoll verplempern können.
Was ist lustiger: Castro, vom Podium stolpernd, oder Becker in der Besenkammer?
Das ist beides nicht lustig. Was soll daran lustig sein, wenn ein alter Mann stolpert und ein junger Mann Oralverkehr hat? Das ist vielleicht in Österreich lustig, bei uns ist das nicht lustig.
Gut, was ist bei Ihnen lustig?
Na, die Jungen Redakteure Gärtner, Nagel & Tietze natürlich!
Sie betreuen in Titanic die Rubrik „Briefe an die Leser“. Welcher davon hat die stärkste Reaktion unter den Lesern hervorgerufen?
Einer hat immerhin eine Reaktion unter Leserinnen hervorgerufen; oder jedenfalls unter einer. Die Schauspielerin Hannelore Hoger hat vor ein paar Jahren eine Gegendarstellung erwirkt, in der sie sich gegen die spaßhafte (und als solche gut kenntliche) Unterstellung wehrte, sie habe im Hotel einen Kellner geohrfeigt und die Minibar leer getrunken, ohne zu bezahlen. „Hierzu stelle ich fest: Ich habe niemals einen Kellner geohrfeigt und die Minibar leer getrunken, ohne zu bezahlen.” Das fanden wir dann erst recht komisch.
Welchen Brief an die Leser würden Sie hier gern noch mal veröffentlichen?
Diesen hier aus dem aktuellen Heft: „Fidel! Durchhalten! Titanic”. Ein Meisterwerk.
Apropos: Was wurde eigentlich aus der Party, die Kollege Nagels Mann in der deutschen Tabak-, Rohrzucker- und Rumindustrie zum 80. Geburtstag des großen Revolutionärs ausgerufen hat?
Sie war so großartig, dass wir hier in der Redaktion sofort den Kommunismus eingeführt haben: Die Gehälter sind bereits um 90 Prozent gekürzt, und Chefredakteur Thomas “Commandante” Gsella feilt bereits an seiner neunstündigen Antrittsrede als Revolutionsführer.
Jetzt mal eine todernste Frage zum Thema deutsch-österreichische Freundschaft: Wie lustig finden Sie eigentlich Stermann & Grissemann?
Ich glaube, lustig! Allein deswegen, weil wir sie ins Kabarett Niedermair einladen wollen, und das würden wir nicht, wenn sie nicht lustig wären. Das weiß der Kollege Nagel aber noch viel besser als ich.
Der urlaubt aber gerade, wie die Spitze der österreichischen Sozialdemokratie, auf einem Weinberg in der Toskana.
Da gehört er auch hin, der Weinkenner, der. Der kann ja nicht mal Bordeaux von Paris unterscheiden.
Ich fühle mich unter dem neurotischen Zwang, Ihnen eine kinospezifische Frage zu stellen. Sie sitzen im Kino, und neben Ihnen lacht ein Typ ständig an der falschen Stelle. Wie reagieren Sie?
Leider gar nicht, das ist mir nicht gegeben. Anstatt eine gesalzene Knüppelsuppe anzurühren, arbeite ich lieber an einem schönen Magengeschwür.
Geht Ihnen das nicht allmählich auf die Nerven, als Spaßfachmann befragt zu werden?
Ja.
Ist dieses Interview gut genug, um in Titanic gedruckt zu werden?
Nein.
Eine persönliche Frage zum Schluss: Woher nehmen Sie eigentlich Ihren Humor?
Es gibt hier einen Tresor, da sind unsere Vorräte drin. Gott sei Dank, dass ich die Kombination weiß – wenn nicht, es wär’ nicht zum Aushalten!
