Die Transsexuelle Bree steht unmittelbar vor ihrer letzten Operation, mit der sie endlich endgültig zur Frau wird. Da erreicht sie der Anruf eines jungen Mannes, der behauptet, ihr Sohn zu sein. Bree wird dadurch gezwungen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.
Bree lebt in einem nicht gerade schicken Teil von Los Angeles und hat zwei Jobs, um ihren Traum zu realisieren. Nicht zufällig ist einer davon im Telemarketing, bei dem die physische Erscheinung nicht von Bedeutung ist, wohl aber die Stimme. Nach langer Vorbereitung steht sie vor ihrer letzen Operation. Sie wird endlich eine Frau sein. Nur noch eine Woche, dann kann sie ihre Vergangenheit hinter sich lassen, kann vergessen, dass sie mal ein Mann war. Doch ein Anruf aus dem New Yorker Jugendgefängnis stellt Brees Leben auf den Kopf. Der Anrufer ist ihr Sohn, den sie wohl gezeugt hat, als sie noch Stanley hieß, und von dem sie bislang nichts wusste. Zunächst will Bree von Verantwortung nichts wissen, doch ihre Therapeutin schickt sie nach New York: Erst muss mit der Vergangenheit abgeschlossen werden, dann gibt es die Operation.
Transamerica ist ein Film mit einer Transsexuellen als Protagonistin, aber sicher kein Film über Transsexualität. Viel mehr ist Duncan Tuckers Spielfilmdebüt eine teilweise leider ziemlich unentschlossene Mischung aus Komödie und Drama mit Versatzstücken aus Roadmovie, Comedy of Errors und schräger Entwicklungs- bzw. Familiengeschichte. Der Beginn ist dramaturgisch wie visuell viel versprechend, deutet mit Nahaufnahmen, dem Einsatz von Bildausschnitten, Spiegelbildern und der akustischen Ebene – Bree auf der Suche nach ihrer „neuen“ Stimme – die zentralen Elemente der Geschichte ohne viele Dialoge an.
Leider verliert sich der interessante Ansatz über persönliche wie unerwartete Entdeckungsreisen in Vergangenheit und Zukunft zunehmend. Dem Drehbuch hätte Straffung gut getan, Regie und Schnitt hätten ein besseres Tempo gebraucht. Auch die Story begibt sich bald in bekannte, ja klischeehafte Situationen (etwa die zwischen Abscheu gegenüber Brees neuer Identität und Entzückung ob des unerwarteten Enkels changierende Großmutter oder der Fast-Inzest). Und selbst wenn diese Stereotype gewollt sind, funktionieren sie nicht, daran ändert auch Felicity Huffmans beeindruckende schauspielerische Leistung nichts. Transamerica ist ein kleiner, ambitionierter Independent-Film mit Schwächen und Längen, darüber kann auch der Medien-Hype um den Film und um Huffmans Golden Globe nicht hinwegtäuschen.
Dass Amerikas andere Identität(en) – schwule Cowboys und transidente Moms bzw. Dads – jetzt mehr Beachtung finden und Preise abräumen, ist allemal „a good thing“, wie Martha Stewart, Amerikas Vorzeige-Housewife der Nation, sagen würde.
