Krimis von Skandinavien bis Australien und Finalrunden großer Hits: eine Auswahl aktueller Serienangebote.
Um nicht nur die Dänen über den grünen Klee zu loben: Auch die Adaptionen der Bestseller-Kriminalromane des schwedischen Literaturwissenschafters Jan Arnald verdienen Anerkennung. Unter dem Pseudonym Arne Dahl erfand er die „A-Gruppe“, die insgesamt zehn Fälle – die standesgemäße Zahl seit Sjöwall/Wahlöös Kommissar Beck – lösen durfte. Fünf davon wurden bislang in gemischten Formaten verfilmt (zweiteilige Dreistünder und einzelne Zweistünder), die jüngste Adaption ist die bislang hervorstechendste: „Tiefer Schmerz“ (OT: „Europa Blues“) führt die sympathischen Stockholmer Sonderermittler rund um die Verhörspezialistin Kerstin Holm durch halb Europa. Zwei parallel laufende Handlungsstränge laufen tief in der Vergangenheit eines ehemaligen „Schmerzforschungslabors“ zusammen und spitzen sich grausig zu, als der finnisch-stämmige Analytiker Arto Söderstedt bei einer Dienstreise in der Toskana allzu fündig wird. Die Arne-Dahl-Krimis vermitteln bereits seit 1998 das Bild einer international vernetzt arbeitenden Polizei als Reaktion auf die länderübergreifende Organisierung des Vebrechens. (Vol. 1 + 2 z.T. in verschiedenen Schnittfassungen bei Edel:Motion, wo auch die europäische Koproduktion The Team erscheint, in der Nicholas Ofczarek als litauischer Frauenhändler sein Unwesen treibt).
Studiocanal bringt die dritte Season der norwegisch-amerikanischen Crime-Comedy Lilyhammer um einen New Yorker Ex-Mobster, der im Zuge eines Zeugenschutzprogramms im ehemaligen Olympiastädtchen Lillehammer gelandet ist. Steven Van Zandt (einst enger Vertrauter von Tony Soprano) spielt den Mafioso mit den legendär herabgezogenen Mundwinkeln. Ebenfalls bei Studiocanal, ab 21. Mai auf DVD/Blu-ray: Die erste Season der für den britischen Sender ITV produzierten Krimiserie Broadchurch, in der ein beschauliches Küstenstädtchen nach dem Mord an einem Buben im Ermittlungschaos versinkt – in Großbritannien ein wahrer Straßenfeger.
Phryne Fisher wirkt wie eine junge Geistesverwandte von Miss Marple, gleichso scharfzüngig, aber viel freizügiger. Dementsprechend ist Miss Fisher’s Murder Mysteries (Miss Fishers mysteriöse Mordfälle), angesiedelt im Melbourne der wilden 1920er Jahre, etwas für fortgeschrittene Nostalgikerinnen. Die von Essie Davis retro-glamourös gespielte, selbst ernannte Detektivin hat Sinn für Stil und Luxus, übt eine beträchtliche Anziehungskraft auf das andere Geschlecht aus, und wenn ein Mord passiert, ist sie stets in der Nähe (erschienen bei Polyband).
Die etwas untergegangene, raue Western-Serie Hell on Wheels erzählt eine Rachestory rund um einen Ex-Soldaten der Konföderierten nach dem Sezessionskrieg 1865. Hintergrund ist der Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahn – milieubedingte Übergriffe sowie Konflikte mit Ureinwohnern stehen an der Tagesordnung. AMC hat eine zweigeteilte letzte Season beauftragt, die vorletzte vierte erscheint bei WVG Medien – wie auch die extrem stilisierte Serienversion des gleichnamigen Films From Dusk Till Dawn (1996), mit der Robert Rodriguez seinen „Haussender“ El Rey befüllte.
Freunde kerniger Serienmordgeschichten haben sicherlich schon von The Following Notiz genommen – trotz horizontaler Erzählweise kann man in diese mit reichlich Gore garnierte, flotte Meta-Maskerade für die iPhone-Generation auch bequem quereinsteigen – Kevin Bacon ermittelt, die tötenden Jünglinge wirken fast wie von Hanekes Funny Games U.S. inspiriert (Seasons 1 + 2 bei Warner).
Etliche Serien-Welthits nähern sich derzeit ihrer finalen Runde. Von Mad Men (zuletzt ray 11/14) ist nur noch eine Halbseason übrig, Downton Abbey hat Season fünf bzw. das Jahr 1924 erreicht. Creator Julian Fellowes hat bereits angekündigt, seine epochale Serienschöpfung um die englische Adelsfamilie Crawley und ihre Angestellten mit der sechsten Season auslaufen zu lassen (beide: Universal).
Ebenfalls nach sechs Runden Schluss sein soll mit Justified, welche nicht nur die US-Kritik fortlaufend begeistert hat (auf AXN bei Sky bzw. Season fünf auf DVD bei Sony, wo am 11. Juni auch die lechzend erwartete zweite Season von Masters of Sex erscheint, siehe ray 11/14).
Obwohl auf die Zeit derselben hinauslaufend, evoziert Boardwalk Empire das Gegenteil einer Großen Depression. Die Crime-History-Serie mit dem großartigen Steve Buscemi ist nach fünf Seasons zu Ende – die letzte ist auf Disc noch ausständig (Warner; zuletzt ray 11/14).
Schließlich, wie zumeist an dieser Stelle, ein paar Worte zu Game of Thrones (Season vier bei Warner, Season fünf derzeit auf Sky): George R.R. Martin, der 66-jährige Schöpfer der Buchreihe, hat sich mit den Showrunnern David Benioff und Dan Weiss längst über die Haupterzähllinien der zwei noch fehlenden Bände und das Ende seines Fantasy-Epos abgesprochen – für den Fall, dass er selbst damit nicht fertig werden sollte. Die letzen Folgen der vierten und die ersten der fünften Season geben jedenfalls Grund zur Annahme, dass derzeit noch minderjährige Protagonisten mit übersinnlicher Unterstützung am Ende die Hauptrollen spielen werden – riesige Armeen und riesige Drachen hin oder her.
