Filmkritik

Und Äktschn!

| Günter Pscheider |
Gerhard Polt will das Privatleben Hitlers auf die Leinwand bringen.

Seit fast vierzig Jahren schaut der Kabarettist und Autor Gerhard Polt dem deutschen und speziell dem bayrischen Kleinbürger aufs Maul und macht nur durch die Kunst der Übertreibung dessen Engstirnigkeit, Vorurteile und  Sturheit sicht- und fühlbar. Dabei sind die Figuren, die er in der Fernsehserie Fast wia im richtigen Leben oder in den Filmen Kehraus und Man spricht deutsh verkörpert, oft eine unterhaltsame Mischung aus Grant, Wehleidigkeit und infantilem Größenwahn,  die aber trotz ihrer kumulierten negativen Eigenschaften  liebenswert erscheinen.

Auch in Polts erstem Film seit zehn Jahren, den er zusammen mit dem Dokumentaristen Frederick Baker realisiert hat, steht ein absoluter Durchschnittsbürger im Mittelpunkt, der seiner Mittelmäßigkeit zum Trotz etwas Großes schaffen will. Die Rolle des  Amateurfilmers Hans Pospiech, der, von seiner Frau in die Garage verbannt, sein bescheidenes Einkommen mit dem Verkauf von Weltkriegsdevotionalien verdient, während er doch davon träumt, ein Werk zu drehen, das nicht nur sein kleines bayrisches Dorf bewegt, sondern die ganze Welt, ist dem virilen 72-jährigen Kabarettisten auf den Leib geschrieben. Nachdem Pospiech die Zuschauer im örtlichen Filmclub mit einem beinhart realistischen Film über die heutige Jugend und einem herrlich schlechten Werbespot für die Sparkasse nicht so recht überzeugen konnte, verfällt er auf die Idee, in einem monumentalen Epos der staunenden Welt vorzuführen, wie Hitler als Mensch eigentlich war, abseits der übergroßen öffentlichen Figur.

Hitler wird gespielt vom Musiklehrer, der ihm auch mit aufgeklebtem Bart nicht im Geringsten ähnlich schaut und von seinem Wesen her das genaue Gegenteil des Diktators ist. Dieser gigantische Kontrast zwischen Sein und Scheinen-Wollen zieht sich als Leitmotiv durch den ganzen Film und sorgt auch für die besten Szenen, wie den Schlagabtausch zwischen der resoluten Eva Braun und dem genervten Adolf über die Auswahl der Nachspeise bei einem Café–Besuch oder die an Monty Python erinnernde Parodie auf Filme wie Der Untergang.

Eine durchgängige Handlung mit interessanten Charakteren und inneren Konflikten hat die Autoren offensichtlich nicht interessiert, so dass Und Äktschn leider nur eine Abfolge von Sketches von unterschiedlicher Qualität geworden ist. Es trägt keine 92 Minuten, ständig nur Pospiechs absolute Talentlosigkeit auszustellen, wenn er einfach unbeirrt seinen Weg geht und nicht zumindest ein wenig an sich selbst leidet.