Underworld: Evolution

Underworld : Evolution

| Ritchie Pettauer |

Wenn zwei sich auf der Leinwand streiten, dann freut sich der Kinobesucher nicht unbedingt – vor allem dann nicht, wenn die Klopperei außer einer dekorativen Hauptdarstellerin (Kate Beckinsdale) in engem Latex wenig zu bieten hat.

Das Sequel zu Underworld führt die Geschichte des Kampfes zwischen Vampiren und Werwölfen nahtlos fort, wo der erste Teil endete: Vampirin Selene und Wer-Vampir Michael befinden sich auf der Flucht vor durstigen, unangenehmen Zeitgenossen mit spitzen Eckzähnen. Der Oberblutsauger Marcus Corvinus will seinen Bruder, den mächtigsten aller Werwölfe, aus dessen mehrhundertjährigem Gefängnisaufenthalt befreien – zwar sollte, so will es der Mythos, der Vampir den Lycanthrop nicht ausstehen können, doch Familienbande sind letztlich doch dicker als Blut. Dass Selene den Schlüssel zu eben jenem Gefängnis um den Hals trägt, macht die flüchtig-abtrünnige Vampirella zum primären Ziel des geflügelten Dracula-Verschnitts.

Fans weisen im Internet zwar darauf hin, dass man den ersten Teil unbedingt gesehen haben muss, um überhaupt verstehen zu können, was denn da Bedeutungsschwangeres vor sich geht. Dem soll vehement widersprochen werden: zu dünn ist die Handlung, als dass sie Spielraum für elaborierte Missverständnisse überhaupt zuließe. Die gelungene Eröffnungssequenz mit ihrer Wie-alles-begann-Rückblende ins Mittelalter weckt anfänglich die Hoffnung auf Spannung und Komplexität – zu Unrecht. Im direkten Vergleich mit einer gelungenen Inszenierung des guten alten Blutsaugertopos wirkt Underworld: Evolution wie der teure Hardcoreporno neben dem gelungenen Erotikthriller. Die weiblichen Protagonisten dürfen ihre Fetischkleidung zwar anbehalten, körperliche Betätigung vor exotischen und liebevoll-detailliert ausgestatteten Schauplätzen zieht sich trotzdem wie ein roter Faden durch den Film. Zwischenmenschliche Begegnungen sind dabei jedoch nicht sexueller, sondern durchwegs kämpferischer Natur. Vor extensiver Gewaltanwendung schreckt dabei kein Akteur zurück, doch selbst der wohlmeinende Action-Fan wird sich nach der dritten Wiederholung einer Aufspieß-Szene gelangweilt bis übersättigt fühlen.

Die Schuld daran trägt wohl das Drehbuch, das hier buchstäblich im falschen Medium zur Anwendung kommt. Ein brauchbares Action-Adventure-Spiel hätte Underworld: Evolution allemal abgegeben, die stark repetitive Action lässt jedoch im Kino immer wieder den Joystick vermissen. Detailliertes „Leveldesign“, vorhersehbar schein-überraschende Wendungen und zahlreiche Slashersequenzen nutzen sich ebenso flott ab, wie der Bodycount im Laufe der kaum fortschreitenden Handlung anwächst.