Unsere Zeit wird kommen

Filmstart

Unsere Zeit wird kommen

| Ania Gleich |
Ein Blick auf zwei Menschen, die sich ihren Weg trotz der Schwerkraft des Alltags freihalten.

Siaka und Victoria sind seit einigen Jahren zusammen. Und trotz dieser Zeit haben sie vermutlich tiefere Einschnitte erlebt, als es sich die meisten vorstellen können. Siaka kommt aus Gambia, Victoria aus Oberösterreich. In Wien versuchen sie, sich eine Existenz aufzubauen, die jenseits gesellschaftlicher Vorurteile und strukturellem Rassismus bestehen soll. Es ist ein Kampf, den Ivette Löcker in Unsere Zeit wird kommen als intimes Porträt einer Liebesbeziehung fasst – nah dran und ohne zu beschönigen. Im Zentrum steht die Liebe und die Kraft, die entsteht, wenn zwei Menschen bereit sind, über den eigenen Tellerrand zu schauen oder, wie Victoria es in einem Slogan ihrer Grafikfirma formuliert, „an sich zu wachsen“. Der Film tut nicht so, als würden Unterschiede sich in Luft und Zuneigung auflösen. Stattdessen zeigt er, welche Geschichte den beiden bereits eingeschrieben ist. Man spürt, wie diese Vergangenheit präsent bleibt, wie Ambivalenzen bleiben und wie beide dennoch am selben Strang ziehen wollen, weil nur das ein authentisches Leben ermöglicht. Löckers Dokumentation begleitet sie nach Oberösterreich zu Victorias Familie ebenso wie zur traditionellen Hochzeit in Gambia. Diese Bilder stehen nebeneinander und ergänzen sich. So zeigt Unsere Zeit wird kommen, wie Beziehung wachsen kann, wenn man Unterschiede nicht leugnet. Ein zweiter Kern liegt im Hinterhof des Wiener Mietshauses, wo Siaka mit der Nachbarin den Garten umbaut; über das Jahr entsteht nicht nur Grün, sondern auch eine leise Freundschaft.

Ivette Löcker nutzt dies als Gegenbild: Verbundenheit kann entstehen, selbst wenn prekäre Arbeitsbedingungen, unsicherer Aufenthaltsstatus und Alltagsrassismus den Rhythmus bestimmen. Besonders eindrücklich ist, wie die Schatten der Vergangenheit in den Alltag ragen, selbst im ersten Jahr mit gesichertem Aufenthalt. Erwartungen der Familien, Druck der Mehrheitsgesellschaft, die ständige Neuaushandlung von Nähe und Differenz: All das macht der Film sichtbar, ohne didaktisch zu werden. Unsere Zeit wird kommen ist ein ermutigender Film über zwei Liebende, die sich halten, obwohl – oder gerade weil – die Welt um sie herum selten Rücksicht nimmt. Ein Film über das Wachsen inmitten widriger Umstände und über die Hoffnung, dass Beziehungen wie ihre eines Tages selbstverständlich sein könnten.