Vaiana / Moana

Filmkritik

Vaiana / Moana

| Ralph Umard |
Ein couragiertes Eingeborenenmädchen auf abenteuerlichem Segeltörn in der Südsee

Die Fidschis waren bis ins 19. Jahrhundert berüchtigt als  „Kannibaleninseln“, auch die Maoris und Bewohner anderer Inseln im Südpazifik verzehrten Menschenfleisch. In diesem vergnüglichen Disney-Animationsfilm mit eklektischen Tanz- und Gesangseinlagen wird Polynesien zum idyllischen Tropenparadies verklärt, es gibt keine Stammeskriege, von Menschenfressern keine Spur. Einmal tauchen Piraten auf, aber die sind so winzig, dass man sie in ihren Rüstungen aus Kokosnuss-Schalen nicht ernst nimmt. Auch eine Monsterkrabbe, die wie der Drache Smaug in „The Hobbit“ einen Schatz hortet, ist eher lächerlich. Die einzige für Kinder furchterregende Figur ist ein feuerspeiender Dämon, der am Ende aber sein im Grunde nettes Wesen offenbart.

Für gute Laune sorgen eine rebellische Häuptlingstochter und ein herunter gekommener Halbgott namens Maui, der seinen magischen Riesenangelhaken verloren hat und damit die Fähigkeit, sich in einen Greifvogel oder andere Tierspezies zu verwandeln. Dieses „odd couple“ muss sich auf einer abenteuerlichen Seereise mit einem traditionellen Fidschi-Segelboot mühsam zusammenraufen, um eine Umweltkatastrophe in der Inselwelt abzuwenden. Der Film erinnert an die Frühgeschichte der Polynesier als Seefahrervolk, das schon vor über 3000 Jahren die Navigation anhand der Sternzeichen beherrschte. Als Inspirationsquellen dienten überlieferte Mythen und Legenden wie die um den Heros Maui. Nicht nur was das Verhalten und die Sprüche angeht, auch hinsichtlich Körpersprache und Muskelspiel erinnert diese Figur hier an Dwayne Johnson, speziell seine selbstironische Rolle als eitel von sich selbst eingenommener Football-Held in The Game Plan. Der Star mit samoanischen Wurzeln ist als Stimme Mauis in der Originalfassung eine hinreißend perfekte Besetzung. Die nicht karikierend, sondern natürlich menschlich dargestellte Häuptlingstochter reagiert in puncto Sprache und Mimik wie ein typisches California- Girl, ihre emphatisch vorgetragenen Songs sind gängiger US-Mainstream-Pop.

Überaus witzig ist der Vorfilm Inner Workings. Da wird ohne Worte mittels Bildsprache, Musik, Geräuschen und rasend schnellem Schnittrhythmus gezeigt, wie Herz und Gehirn mit anderen Organen im Körper eines kleinen Büroangestellten in Widerstreit über sein Verhalten geraten, bis er sich entschließt, aus seinem tristen Arbeitsalltag auszubrechen und Spaß zu haben.