venom

Filmkritik

Venom: Let There Be Carnage

| Oliver Stangl |
Ein seltsames Paar: Tom Hardy muss sich noch immer mit seinem Symbionten herumschlagen.

Bereits der erste Venom (2018) war nicht unbedingt das Gelbe vom Ei – dramaturgisch ein ziemliches Durcheinander und mit einer Origin Story versehen, die eigentlich Spider-Man benötigt hätte (doch das ging bei der Sony-Produktion damals aus rechtlichen Gründen nicht). Da der Film weltweit mehr als 850 Millionen Dollar einspieltet, war ein Sequel mit der Marvel-Figur allerdings unvermeidlich. Diesmal führt Motion-Capture-Kaiser Andy Serkis Regie, was dem Film immerhin in Sachen Spezialeffekte gut getan zu haben scheint. Diese wirken deutlich überzeugender als in Teil eins.

Reporter Eddie Brock (Tom Hardy) versucht noch immer, sich mit dem außerirdischen, menschenfressenden Symbioten Venom zu arrangieren. Zu den Highlights des Films gehört denn auch das eine oder andere Wortgefecht des „seltsamen Paares“ – Venom will Verbrecher fressen, was mit Brocks Gewissen nicht vereinbar ist –, wobei allerdings nicht jeder Witz sticht. Der Antagonist in Let There Be Carnage ist der im letzten Teil angeteaserte Serienkiller Cletus Kasady (Woody Harrelson), der Brock aus dem Gefängnis heraus anheuern möchte, seine Memoiren zu schreiben. Im Zuge dieser Tätigkeit entdecken Brock und Venom allerdings noch ein paar von Kasady versteckte Leichen, was dieser Brock überaus übel nimmt.

Und nachdem Kasady durch eine Beißattacke auf den Reporter nun über selbst symbiotische Superkräfte verfügt, kommt es – bei Marvel-Verfilmungen keine Seltenheit – zum Kampf zweier Figuren mit den gleichen Kräften. Auch Liebe kommt vor: Brocks Ex Anne will einen anderen heiraten, Kletus‘ Jugendliebe, die Mutantin Shriek, verfügt ausgerechnet über jene Kräfte (Hochfrequenzschreie), die den Symbionten schaden können. Diese Themen werden allerdings nicht wirklich weiterverfolgt und nach eineinhalb Stunden ist der Film auch schon wieder vorbei – das Ganze fühlt an wie ein Lückenfüller, der die Wartezeit bis zum nächsten Superheldenspektakel überbrücken soll. Dazu kommt, dass der Film angesichts seines Themas eigentlich viel düsterer und brutaler daherkommen müsste, doch um in den USA das begehrte jugendfreundliche Rating PG-13 zu bekommen, hat man sich diesbezüglich stark eingebremst. Wirkliches „carnage“ findet nicht statt.

Und obwohl mit Andy Serkis selbst ein Schauspieler am Regiestuhl saß, kann auch das Ensemble nicht wirklich glänzen: Hardy kann sich mit seiner Coolness gerade noch so durchschwindeln, doch der sonst so exzellente Harrelson darf drehbuchbedingt nicht viel mehr zeigen als die Karikatur eines irren Serienkillers. Wer emotional immer noch ins Marvel-Universum involviert ist, hat nach der Post-Credits-Szene immerhin Gesprächsstoff – bis zum nächsten Film.