Mitfühlende Doku über einen 80-jährigen dänischen Bauern, der seinen biodynamisch geführten Hof gegen Widerstände der Behörden weiterführen will.
Makroaufnahmen von Pflanzen, kleinen Tieren und Wassertropfen in Zeitlupe, dazu vielstimmiger Acappella-Gesang, dann noch die Geburt eines Kalbes und der philosophische Ausspruch des Bauern, das Leben müsse erfahren werden, das lässt schon in den ersten Minuten auf einen hohen Kitschfaktor schließen. Aber gleich in der nächsten Sequenz holt der Film den Zuschauer auch schon wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Als die Steißlagengeburt sich in die Länge zieht, bittet Bauer Niels die Regisseurin, doch die Kamera einfach stehen zu lassen und lieber mitzuhelfen, das große Bullenkalb mit Hilfe von Seilen aus seiner Mutter herauszuziehen.
Zwischen diesen zwei Polen changiert der gesamte Film. Einerseits werden immer wieder esoterische Zusammenhänge von Pflanzen, die die Strahlen des Universums in sich aufnehmen oder die quasi- spirituelle Verbindung aller Lebewesen thematisiert, andererseits steht aber auch der Überlebenskampf des Hofes im Mittelpunkt des Geschehens. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Niels als glühender Verfechter der Biodynamik (kein Kunstdünger, nur die kosmische Kraft von tonnenweise Regenwürmern und ausschließlich Futter, das auf dem Hof wächst) scheinbar willkürlich besonders oft von Bio-Kontrollstellen geprüft wird, die dann auch bemängeln, dass er seine Kühe teilweise im Stall hält, dass sie zu wenig Stroh haben und stark zugekotet sind. Für all diese Vorwürfe hat der äußerst agile 80-Jährige durchaus plausible Erklärungen, er züchtet die letzten Roten Dänischen Milchkühe nach einem über Jahrhunderte bewährten Verfahren, das dieser Art am besten entspricht. Die Liebe zu seinen Tieren ist in jeder Einstellung spürbar, trotzdem droht ihm und seiner Frau sogar der Entzug der Tierhaltungslizenz, was sein Lebenswerk nachhaltig zerstören würde.
Das Charisma des Bauern entspringt aus dem Herzblut, das er in die Aufrechterhaltung des Hofes gesteckt hat, er als Mensch mit einer interessanten Mischung aus buddhistischer Abgeklärtheit und unbedingter Leidenschaft ist auch ganz klar das Zentrum des Films. Die Bilder sind manchmal schon fast zu schön, aber schließlich sollen sie ja die Einzigartigkeit der Welt, in der wir leben, auf den Punkt bringen und die sympathische Botschaft des Films – die Notwendigkeit eines nachhaltigen Umgangs mit unseren Ressourcen – nicht nur verbal ausgedrückt werden. Wer sich jetzt nicht so sehr für die Frage, wie man leben soll, interessiert, wird allerdings vergeblich nach anderen relevanten Themen suchen. Eine kurze Kritik an der gegenwärtigen Eventkultur, die mit grünem Rasen und computerprojizierten Landschaften Regierungschefs das Thema green growth bei einem Essen schmackhafter machen will, und einige kleinere zwischenmenschliche Konflikte reichen nicht aus, um jeden Zuschauer bei der Stange zu halten. Für all jene, denen die Zukunft unseres Planeten am Herzen liegt, bietet der Film aber doch einige interessante Diskussionspunkte, gerade wegen seiner esoterischen Grundausrichtung.
