Viennale-Blog 14

Kein großes Ding

| Marie-Theres Feichtner |

Bunt, schrill und verrückt!
Ein weiterer Lemke-Film, den man nicht unbedingt verstehen muss, der aber unbedingt sehen muss: Der Ex-Knacki Mahmoud, der in Online-Streaming-Affären verwickelt ist und im Kunstbereich als wahnwitziges James-Brown-Double neu durchstarten will. Henning, ein Freund, der plant, dem Drogenanbau abzuschwören, und sein Geld neuerdings als strippender Pirat verdient. Leila, die im selben Etablissement wie der Pirat arbeitet und mit ihm gemeinsam auf der Bühne steht. Mahmouds Ex-Freundin Tini, jung, aufgeschlossen und immer auf der Jagd nach neuen Liebschaften. Und zu guter Letzt: Tom, Geldgeber, Drogendealer, Holländer.
Eine Reihe an Szenen, die oft nicht zusammenhängen. Nacktszenen an Stellen, an denn sie absolut keinen Sinn ergeben – genauso wenig wie der Versuch, den Film in Sinnabschnitte zu unterteilen. Die Leidenschaft, die Lust und die Neugier der jungen Darsteller schaffen zusammen mit den Ideen von Klaus Lemke einen wunderbar lustigen und kreativen Film, der vor allem ein jüngeres Publikum anspricht.
Nach dem Motto „Frechheit siegt“ habe ich nach der Vorstellung die ganze Mannschaft vor dem Kino angesprochen und mit Einigen der Hauptdarsteller ein Gespräch geführt. Durch die Bank sind sie begeistert von Klaus Lemkes Arbeitsweise und von der Spontanität. Morgens kommt eine SMS mit Zeit und Ort für den Dreh des Tages. Dort gibt es die Idee als Input, und los geht’s. Jede Szene wird genau einmal gespielt, gefilmt, und niemand weiß, was am Ende dabei herauskommt. Sollte das Ergebnis danach nicht gut sein, fliegt die Szene schlicht und einfach aus dem Film.
Keiner der Darsteller ist professioneller, studierter Schauspieler. Mahmoud war vorher Tomatenwerfer in Berlin-Kreuzberg, Leila ist normalerweise Aktmodell und Tom zum Beispiel Musiker. Die einzigen zwei, die schon mehrmals mit Lemke zusammengearbeitet haben, sind Henning und Tini, die immer wieder gerne ja sagen, die Spontanität genießen und auch schon in vielen Produktionen mitgewirkt haben, die dann halbfertig doch noch verworfen wurden.
Ein Haufen verrückter Leute, die ihr Leben in vollen Zügen genießen und diese Energie und Freude auch gut im Film einbringen.
Ich bin ein großer Fan dieser Produktion, nicht nur aufgrund der unterhaltsamen Handlung, sondern auch der Darsteller und des Regisseurs wegen. Die Vorfreude auf den nächsten Lemke ist zumindest bei mir schon sehr groß!