John Fords bester Film ist es wahrscheinlich nicht. Man stelle sich vor: 1939, in Europa beginnt gerade der Zweite Weltkrieg, und in einer Kleinstadt in Amerika gelobt eine glubschäugige junge Frau vor dem Pfarrer, ihrem Mann zu gehorchen. Er ist nicht Clark Gable aus dem im gleichen Jahr enstandenen Vom Winde verweht, sondern Henry Fonda – noch schöner, noch erotischer.
Erst langsam treten die Darsteller langsam aus ihren Klischee-Rollen, vom „schreckenserregenden Indianer“ bis zum „zwielichtigen Gastwriten“. John Ford zeigt sie bei ihrer schweren Arbeit, das Land urbar zu machen, ihren Entbehrungen, dem Kampf gegen die Überfälle von Indianern, die ihre Arbeit zunichte machen; vor einem Neubeginn, voller Hoffnung. Mann und Frau sind ein starkes Team. Er (obwohl überirdisch schön) hat nur Augen für sie, sie ist ihm eine große Stütze, trägt über lange Zeit die Handlung, als er zur Waffe gerufen wird, um gegen die Indianer zu kämpfen. Die Trommeln geben den Takt vor, mit hoffnungsvollen Schritten gehen die beiden fort. Wie Scarlett O´Hara kümmert sie sich später aufopfernd um die Verwundeten, als sie aus der Schlacht heimkehren, gibt ihnen zu trinken, wäscht sie, schließt auch endlich wieder ihren Mann in die Arme.
Die beiden finden, nachdem ihr Haus niedergebrannt wurde, Arbeit und Wohnstätte bei einer Witwe, scharfzüngig, ja fast bärbeißig – die zweite starke Frauengestalt im Film. Es gibt einige belustigte Lacher im Kinosaal, als zwei Indianer ihr Haus abfackeln wollen, sie sich aber so vehement ans Bett klammert, dass die beiden Bösen sie mitsamt dem Möbelstück hinaustragen müssen, um es verbrennen zu können. Natürlich passiert ihr nichts. Irgendwann gibt es auch ein Baby, dass das Glück der beiden Liebenden krönt. Dann aber greifen die „bösen“ Indianer wieder das Fort an, in das sich nun alle Bewohner des Mohawk-Tals zurückgezogen haben. Alles was Hände hat, packt an, um es zu verteidigen, natürlich auch die heldenhaften Frauen. Die Zuseher können im Detail beobachten, wie mühsam das Laden der Gewehre und der Kanonen gewesen ist – es wird noch Jahrzehnte dauern, bis eine Maschinengewehrsalve ein Dutzend Feinde ummähen kann.
Ab nun wird der Film aber immer schwächer: Gilbert Martin (Fonda) muss das Entsatzheer alarmieren. Natürlich gelingt es ihm, unbemerkt das Fort zu verlassen. Aber dann heften sich drei muskulöse (böse) Indianer an seine Fersen. Er läuft und läuft, immer gefolgt von den dreien, durch Laubwälder, über Wiesen, dann in einer Steppenlandschaft. Ich weiß nicht genau, wo in den unendlichen Weiten Amerikas die Naturlandschaften in so rascher Folge wechseln, aber jedenfalls diente dies der Szenerie, und die Musik peitscht die Laufenden immer weiter. Sie werden nicht langsamer, nicht müde. Die Ankunft im Fort bleibt ungezeigt, die Dramatik des gesamten Laufs unaufgelöst.
Die Zurückbleibenden warten inzwischen auf das Entsatzheer. In schmucken Uniformen kommt die Kompanie an, im Marschtritt der Trommeln, und die Liebenden sind wieder vereint. Schön, wie das Weinen des gemeinsamen Kindes aus dem Off den Vater und Ehemann schließlich zu seiner kleinen Familie führt. Und dann wird die amerikanische Flagge mit ihren 13 Sternen gehisst – so ein glorreiches Land, solch tapfere Soldaten, so heldenhafte Menschen. Aber John Ford befand sich ja im Jahre 1939, und in Europa hatte man andere Sorgen.
Nochmals zu sehen am 23. November um 18.30 Uhr im Filmmuseum.
