Viennale-Blog 20

Bluebird

| Anna Theiretzbacher |

Einer der traurigsten Filme dieser Viennale, den ich bis jetzt gesehen habe, ist Bluebird von Regisseur Lance Edmands. Die Handlung spielt in einem kleinen verschneiten Städtchen in Maine und ist so simpel wie genial: Eine Schulbusfahrerin ist dabei, den Bus zu konrollieren, nachdem sie ihre Fahrt beendet hat. Da taucht aus dem Nichts ein kleiner blauer Vogel auf, sie wird kurz abgelenkt. Dieser kleine Moment der Unachtsamkeit hat aber fatale Folgen: Sie übersieht einen kleinen Jungen, der auf der Hinterbank liegt. Dieser wird versehentlich über Nacht, bei Eiseskälte, im Bus eingesperrt. Auch die Mutter des Jungen schlägt nicht Alarm, sie lag die Nacht über bertrunken und mit Pillen vollgedröhnt in der Badewanne. Der kleine Bub wird erst am nächsten Tag gefunden, er erlitt einen hypothermischen Schock und liegt seitdem im Koma. Die Geschichte nimmt ihren tragischen Lauf: Immer mehr Personen werden in den Fall hineingezogen. Die nette Busfahrerin zerbricht langsam an den Schuldgefühlen. Die Mutter des Jungen will mit Anwälten Profit aus dem tragischen Unfall herausschlagen.
Wer hat Schuld? Hätte man diesen schrecklichen Unfall verhindern können? Wird der kleine Bub überleben? Fragen über Fragen, die der Regisseur aufwirft und/oder sich der Zuseher stellt. Viele davon werden im Laufe des Filmes beantwortet, andere bleiben ungeklärt.
Wahnsinnig berührend und gleichzeitig kalt, um nicht zu sagen eisig, erzählt Lance Edmands seine Geschichte. Er selbst ist in Maine aufgewachsen und wurde von der schönen Landschaft des Nordens inspiriert. Zwischen Teilen der Handlung sieht man immer wieder Bilder der unberührten Natur. Im Kontrast dazu aber auch Aufnahmen von Fabriken der dortigen Papierindustrie, einem der Hauptwirtschaftszweige. Edmands beschränkt sich in seinem Film auf die ausdrucksstarken Bilder und die Gefühle seiner Protagonisten, verwendet keine gefinkelten Dialoge, sondern „just the words which are needed“.