Viennale-Blog 32

Ausgeklügeltes Familiendrama inklusive Tehran-Flair

| Julian Vierlinger |

Le Passé von Asghar Farhadi

Frankreich und Persien war immer schon eine gute Mischung. Ashar Farhadis neuer Film bestätigt diese Regel erneut mit einem Familiendrama allererster Güteklasse.
Der etwas in die Jahre gekommene Mann einer jungen französischen Mutter von zwei Kindern fliegt von Tehran nach Paris, um die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Als er ankommt und von seiner baldigen Ex-Frau abgeholt wird – im Auto eines fremden Mannes – und in das alte gemeinsame Haus in einem schönen Pariser Vorort gebracht wird, findet er veränderte Verhältnisse vor. Ein neues Kind, der sechsjährige Fouad ist eingezogen, die älteste Tochter ist kaum zuhause, und alles deutet auf einen neuen Mann hin. Und auf eine komplizierte Geschichte. Denn der neue Freund seiner Frau ist ebenfalls noch verheiratet, mit einer Frau, die nach einem gescheiterten Selbstmordversuch im Koma liegt. Besagte älteste Tochter versteht sich mit dem Noch-Mann ihrer Mutter blendend, und offenbart ihm, warum derzeit alles drunter und drüber geht mit der frischgebackenen Patchwork-Familie.
Le Passé
hat von pubertierenden Mädchen, den Komplikationen von Mutter-Tochter-Beziehungen, grundlegenden Fragen der Erziehung, Vergangenheitsbewältigung und West-trifft-auf-Ost Thema alles zu bieten, was das Zuschauerherz begehrt. Die Charaktere sind vielschichtig, die Dialoge bissig und witzig, die Story ist spannend bis zum Schluss. Farhadi gelingt ein tiefgehender Film voller komplizierter Verstrickungen und nachvollziehbarer Emotion, und gibt Einblicke in die komplexe Welt der Patchwork-Familie – auch wenn die Probleme der im Film Porträtierten ein wenig über das Übliche hinausgehen. Farhadi beweist dass auch im konventionellen Film – und so lässt sich Le Passé nur kategorisieren, wenn man ihn in Vergleich stellt mit dem Großteil seiner Viennale-2013-Artgenossen – ungewöhnlich Gutes möglich ist.