Dieses Jahr wurde bei der Viennale der zweite Teil von Werner Herzogs TV-Serie Death Row präsentiert. Der deutsche Filmemacher besucht zum Tode verurteilte Menschen, die im Gefängnis in Texas auf ihre Hinrichtung warten. In jedem der vier Teile spricht er mit einer anderen Person, beleuchtet einen anderen Fall. Aufgebaut sind aber alle nach dem gleichen Schema:
Herzog spricht mit den Verurteilen über ihre momentanen Gefühle, lässt das Leben der Betroffenen noch einmal Revue passieren und befragt auch Familienmitglieder zu der Causa. Die meisten der Täter sind Mörder oder haben zumindest einen Mord in Auftrag gegeben. Naheliegend ist es daher auch, Überlebende oder Hinterbliebene der damaligen Opfer in die Produktion mit einzubeziehen. Speziell von dieser Seite kommt natürlich Zustimmung zum Urteil und der Wunsch nach Exekution der Gräueltäter.
Manche der Insassen der Death Row warten schon seit 17 oder mehr Jahren auf ihre Hinrichtung. Seitdem hausen sie in ihren kleinen Zellen mit einem Bett, einer Toilette und einer Bibel. Werner Herzog hält sich ziemlich strikt an sein Konzept, in jeder Folge beinahe gleich formulierte Fragen zu stellen, und auch die identische Einleitung jeder Folge verweist auf das Format der Fernsehserie.
Grundsätzlich hat mich Death Row II jedoch sehr mitgenommen. Obwohl diese Menschen andere getötet haben und ihr Urteil schon lange erfahren haben, müssen sie Jahre auf ihre Hinrichtung warten. Es wir deutlich, welche psychische Belastung das oft auch für die Eltern darstellt. Eine Mutter meinte beispielsweise unter Tränen: „Das, was mir am meisten zu schaffen macht ist, dass ich meinen Sohn in all den Jahren nicht einmal mehr umarmen kann“.
Die Verurteilten selbst finden sich scheinbar leichter mit ihrem Schicksal ab. Dennoch vegetieren sie meist die noch verbleibende Zeit einfach vor sich hin.
Eine unglaublich bedrückende Dokumentation, die einmal mehr aufzeigt, dass die USA in ihrem Tun nicht immer Recht behalten und sich endlich von dieser grausamen Art der Bestrafung abwenden sollten. Man sollte man zumindest eine der Folgen von Werner Herzogs Serie gesehen haben, um sich ein eigenes Bild davon machen zu können.
