Viennale Blog 9

How Green Was My Valley (1941) von John Ford

| Samuel Seidl |

Es ist einzigartig, mit welcher Leichtigkeit How Green Was My Valley über Höhen und Tiefen des Lebens erzählt. Huw Morgan, der in einem Kohlebergwerks-Dorf in Wales aufgewachsen ist, erzählt darin dem Zuschauer rückblickend die Geschichte seiner Jugend. Sein Vater und die fünf schon erwachsenen Brüder arbeiten in der Kohlenmine wie jeder andere aus dem Dorf, sie bringen singend das Geld nach Hause, während die Mutter zu Hause „das Herz der Familie ist“, wie Huw im Off-Kommentar stolz beschreibt.

Vom Anfang des Films bis zum Ende verändert sich das Dorf und auch Huws Leben. Seine Familie wird durch verschiedenste Ereignisse erschüttert und auseinandergerissen. Vier seiner Brüder werden im Laufe des Filmes von der Kohlenmine gefeuert und müssen daher das Dorf, in dem es keine andere Arbeit mehr gibt, verlassen. Der fünfte stirbt bei einem tragischen Feuerunfall in der Mine. Und seine Schwester Angharad wird an den reichen Sohn des Minenbesitzers verheiratet, obwohl sie in den neuen Priester des Dorfes, Mr. Gruffydd, verliebt ist. Huw ist der Erste seiner Familie, der die Schule besuchen darf und muss dort mit bösartigen Klassenkameraden und Lehrern fertigwerden. Danach tritt auch er ins Kohlebergwerk ein.

Regisseur John Ford schafft es, den Zuschauer in die Vergangenheit zu führen. Man kann sich richtig vorstellen, wie hart das Leben zu dieser Zeit gewesen ist, als man beim Essen noch nicht sprechen durfte, ohne den Vater zuvor um Erlaubnis zu fragen. Und man sehnt sich trotz aller Härte, Fehler und der vorhandenen Dunkelheit danach, einmal das kleine Dorf besuchen zu können, welches von einer phantastischen Landschaft umgeben in einem Tal liegt. Schwarz-weiße Bilder von großartiger Schönheit lassen dunkle Kohleminen, ein liebliches Dorf, rauchende Schlote und steinerne Häuser wiederauferstehen. How Green Was My Valley ist mit einer melancholischen Erinnerung zu vergleichen. Da verabschiedet sich einer (Huw) von seiner Kindheit, wie jeder es irgendwann einmal tun muss, er verabschiedet sich von seiner Familie, von einem Dorf, von einer Heimat.

How Green Was My Valley trägt eine für die Schwere seiner Handlung paradoxe Positivität. Das Dramatische wird völlig undramatisch dargestellt. Obwohl viel Unglück passiert , obwohl Menschen sterben, Arbeiter entlassen werden; Kinder halbgelähmt Monate im Bett verbringen oder eine unmögliche Liebe aufkeimt, ist der Film nicht deprimierend. Das Traurige wird immer wieder mit Positivem ausgeglichen, und auch wenn der Film kein Happy End im herkömmlichen Sinne hat, so hat es Ford geschafft, eine neue Art des Happy Ends zu erschaffen. Die Sicht, die einem der Film aufs Leben vermittelt, ist eine philosophische, doch kommt sie mir sehr stoisch vor.

Noch einmal zu sehen im Österreichischen Filmmuseum am 16. November um 18.30 Uhr