Was will der Lama mit dem Gewehr? / The Monk and the Gun

Filmstart

Was will der Lama mit dem Gewehr?

| Jakob Dibold |
Eine etwas einseitig gestrickte Pazifismus-Tragikomödie

Was er denn wirklich genau will mit dem Gewehr, der Lama, das wird erst ganz am Ende aufgelöst. Dass das geistliche Oberhaupt des kleinen Dorfes Ura in Bhutan damit nichts Böses im Sinn hat, ist jedenfalls von Anfang an spürbar. Filmemacher Pawo Choyning Dorji, dessen Regiedebüt Lunana: A Yak in the Classroom als erste bhutanische Produktion oscarnominiert wurde, setzt die Story historisch in eine Phase großer Umbrüche in der Staatsstruktur Bhutans: Nachdem erstmals politische Parteien erlaubt wurden, stehen 2007 und 2008 Wahlen an. Bhutan wird zur konstitutionellen Monarchie. Aber: Teile der Bevölkerung, vor allem die ländliche, wissen damit nicht viel anzufangen. So werden Wahlbeauftragte in die Dörfer entsandt, um Bewusstsein dafür zu schaffen, welches wertvolle Recht der König seinem Volk da zugesteht. Gänzlich andere Absichten hat hingegen ein junger Mann aus der Stadt, der einen US-Amerikaner – wie sich herausstellt: einen Waffennarr – nach Ura bringt, welcher sich in der malerischen Gegend den Fund eines lang ersehnten Schatzes verspricht. Und der Lama? Der schickt seinen Schüler eben auf die Suche nach einem Gewehr, besser noch gleich zwei, denn er will angesichts der Veränderungen im Land „die Dinge in Ordnung bringen“, wie er kryptisch ankündigt.

Natürlich laufen die Anliegen der Charaktere einander bald zuwider. Manchmal bemüht spaßig, manchmal nicht uninteressant. Regisseur Dorji wirft Blicke in eine Gesellschaft, die auf die neuen Ideen gespalten reagiert, in der im Zuge von Wahlkampf Meinungsverschieden-
heiten und Zwietracht entstehen. Insgesamt scheint er aber allzu bemüht zu betonen: Es geht hier doch um Bhutan. Das Land, das anstelle des Bruttonationalprodukts das Bruttonationalglück misst! Wie sich auch die Behauptung, Bhutan sei das glücklichste Land des Planeten, hartnäckig hält, lässt Dorji nur jenes Maß an Multiperspektivität gelten, das summa summarum in die Kategorie „bewegender Wohlfühl-Arthouse“ führt. So wie hier aufbereitet, ist die Darstellung des buddhistisch-friedvoll-glücklichen Volkskörpers und seiner gutmütigen Herrscher, die dem kriegstreibenden Imperialismus trotzen, eine Schönung, schließlich hat Bhutan selbst ab den späten Achtzigern um die 100.000 Menschen der Volksgruppe der Lhotshampa gewaltvoll aus dem Land vertrieben. Jene Partei, die sich damals (teils ebenfalls militant) gegen Diskriminierung und für Demokratisierung einsetzte, ist bis heute verboten. Weniger „heile Welt“ hätte dem Film mehr Glaubwürdigkeit verliehen.