Anlässlich des Netflix-Starts im deutschsprachigen Raum: Kurzinterview mit Technikfreak Robert Rodriguez.
Was in den neunziger Jahren Musikvideos waren, sind heute Fernsehserien: hip, innovativ und Vorreiter, was visuelle Gestaltung und moderne Erzählstrukturen angeht. Doch ob die jeweils neue Serie aus dem Hause HBO oder ABC ein Erfolg wird, ist schwer vorherzusehen. Außer für Netflix: Das Online-Streaming–Portal, welches als Online-DVD-Verleih startete und seit Herbst dieses Jahres auch im deutschsprachigen Raum zur Verfügung steht, hat von Anfang an die Vorlieben seiner Kunden gespeichert und analysiert. Wodurch man nicht nur weiß, welche Serien ein bestimmter Nutzer schaut, sondern auch, welche Schauspieler und Genres besonders beliebt sind. Auf Grundlage dieser Daten hat Netflix eine eigene Serie mit Showrunner Beau Willimon und Regisseur David Fincher als Zugpferd entwickelt: House of Cards (die US-Adaption der gleichnamigen BBC-Serie von 1990), die bekanntlich zu einem durchschlagenden Erfolg wurde (Alles umklammernde Leere) und deren dritte Season voraussichtlich ab Februar 2015 zur Verfügung stehen wird.
Mit weiteren Eigenproduktionen wie der Frauengefängnis-Dramaserie Orange Is the New Black und der Horrorserie Helmlock Grove legte Netflix nach und ließ die Kultfilme Fargo (Joel und Ethan Coen) und From Dusk Till Dawn (Robert Rodriguez und Quentin Tarantino, beide 1996) als Spin-Off-Serien adaptieren. Warum Rodriguez es sich nicht nehmen ließ, dabei selbst Regie zu führen, über seinen eigenen Fernsehsender und darüber, was er selbst gern schaut, haben wir mit ihm anlässlich des Netflix-Starts im deutschsprachigen Raum gesprochen.
Hätten Sie es sich vor zehn Jahren träumen lassen, bei einer Fernsehserie Regie zu führen?
Nein, obwohl ich schon immer ein Fan des Fernsehens war. Aber als Regisseur war man dort in seiner künstlerischen Freiheit immer zu sehr eingeschränkt. Mittlerweile habe ich ja mit El Rey zum Glück meinen eigenen Fernsehsender, bei dem ich tun und lassen kann, was ich will. Bei El Rey wurde auch die Serie zu From Dusk Till Dawn erstausgestrahlt. Netflix hat sie dann später international vertrieben.
Und was zeigt Ihr Sender?
Kung-Fu-Filme, Genre-Filme, Grindhouse, eben alles, was ich selbst gern sehe. Ich finde es extrem cool, dass ich, wenn ich in eine Bar gehe, dort meinen eigenen Sender laufen sehe. So weiß ich wenigstens, dass dort etwas läuft, was mir gefällt. Ich habe allerdings schon immer für mich zu Hause eine Art Film- und Fernseh-Playlist gehabt, die bei mir lief so wie bei anderen CDs.
Als Ihr Film „From Dusk Till Dawn“ in die Kinos kam, galt er als Messlatte für Coolness. Haben Sie die Serie an die heutigen Maßstäbe von Coolness angepasst?
Vor allem konnten wir dank der Serie nun endlich all das erzählen, was auf Grund des zeitlichen Limits nicht mehr in den Film gepasst hatte. Quentin war total begeistert und hat mich nach der Ausstrahlung jeder Folge immer gleich angerufen, weil er unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht.
Haben Sie ihm die Serie denn gar nicht vorab zukommen lassen?
Das hätte ich schon. Aber er wollte ganz klassisch, wie es sich für eine Fernsehserie einst gehört hat, jede Woche eine neue Folge sehen.
Stört es Sie, wenn Ihre Filme und Serien auf Mobiltelefonen angeschaut werden? Immerhin geht dadurch eine Menge an Visualität verloren …
Ganz im Gegenteil, ich finde es toll, dass man sich mittlerweile überall Filme anschauen kann. Auch wenn es natürlich eine ganz andere Form des Sehens ist. Aber diese Art des Sehens hat auch Vorteile: Denn man kann dank der Mobilität viel besser im Flow der Serie bleiben als zuvor und in die fiktive Welt richtig abtauchen. Aber ich bin so oder so ein totaler Technikfreak. Ich kann sogar von zu Hause aus, während ich mit meinem Sohn Videospiele zocke, auf meinem Smartphone sehen, was gerade auf dem Set geschieht. Eine bequemere Art zu arbeiten kann es ja wohl nicht geben.
