Futuristischer Psychothriller über eine Frau zwischen Wahnsinn und Verschwörung.
Hannah hat Angst. Dabei lebt sie in naher Zukunft in der scheinbar sicheren, autarken Wohnsiedlung „Neustadt“, wo die Bewohner niemals die gefährliche Außenwelt betreten müssen. Aber in den seelenlosen Hochhaus-Komplexen (als Location dienten die Wohntürme von Alt Erlaa) ist nichts so wie es scheint: Der Architekt fällt beinahe einem Anschlag zum Opfer. Sein zwielichtiger Sohn interessiert sich plötzlich für die unscheinbare Hannah. Nach einem Streit mit ihrem gewalttätigen Ehemann zieht sie in ein höher gelegenes Apartement, deren Besitzerin sich aus dem Fenster stürzte. Ihr Ehemann bedroht sie von neuem und verschwindet anschließend spurlos. Ein hochrangiger Sicherheitsbeamter, mit dem sie einst eine Affäre hatte, verspricht ihr, bei der Suche nach ihrem Mann behilflich zu sein. Doch Hannah fühlt, dass er sie nur benutzen will. Doch wofür? Als sie immer wieder grauenvolle Visionen ihres tot geglaubten Mannes quälen, droht Hannah endgültig den Verstand zu verlieren. Ihr einziger Lichtblick ist die Begegnung mit der willensstarken Anna, die sich als einzige gegen die mysteriösen Vorgänge in Neustadt aufzulehnen und damit das genaue Gegenteil der passiven Hannah zu sein scheint. Doch existiert Anna wirklich? Ist Hannah hochgradig schizophren oder ist sie ein kleiner Puzzleteil einer umfassenden Verschwörung?
Diese Fragen, wie auch der gesamte Plot interessierten Drehbuchautor und Regisseur Christian Frosch offensichtlich kaum. Was schade ist, weil vor allem zu Beginn in einzelnen Szenen, bevor die Handlung die Zuschauer ob ihrer Unübersichtlichkeit ratlos zurücklässt, deutlich wird, wie mit Hilfe der ausgezeichneten Schauspieler und gut eingesetzten visuellen Effekte ein Low Budget-Genrefilm heimischer Provenienz funktionieren könnte. Aber Regisseur Frosch konnte sich nicht entscheiden, ob er einen sperrigen, künstlerisch wertvollen Avantgardefilm oder doch einen nach klaren dramaturgischen Regeln funktionierenden Verschwörungs-Thriller drehen wollte. Das Resultat ist ein typischer Hybrid, der alles zugleich sein will und am Ende gar nichts ist. Zu klischeehaft und uninspiriert versucht Weiße Lilien auf den Spuren von Jean-Luc Godards Alphaville zu wandeln, auch die für David Lynch typische Atmosphäre bleibt ohne ein durchgängiges Konzept hohl und leer. Wie die immer ratloser werdende Hauptfigur taumelt auch der Zuschauer in der zweiten Hälfte wie ferngesteuert durch ein unverständliches Universum.
