Whatever Works

| Roman Scheiber |

Woody Allen back in NY: Ungewöhnliche Beziehungskonstellation im Schwätzbelastungstest

Mitten im Einstiegspalaver mit seinen Freunden am Stammtisch dreht sich Boris zur Kamera und stellt klar: „I’m not a likeable guy.“ Scheinbar nur er, der smarteste von allen, kapiert, dass hier ein Film gedreht wird. Von ihm erfährt das Publikum sogleich: „This is not the feelgood movie of the year. If you’re one of these idiots who need to feel good, go get yourself a foot massage.“

Es wäre nicht Woody Allen, würde dann nicht doch eine gehörige Portion Wohlfühlkino in der Story stecken, die er rund um den gescheiterten Physiker und patzigen Parade-Nihilisten Boris Yellnikoff erzählt. Vor seinem Apartment gabelt Boris (TV-Starkomiker und Fremdschämspezialist Larry David) in einem Anfall von Mitgefühl die kaum volljährige Melody auf, gerade von Mississippi nach New York ausgerissen (charmant als schöne Sumpfblüte: The Wrestler-Tochter Evan Rachel Wood). Die im Kino spätestens seit My Fair Lady beliebte Konstellation (älterer, kopflastiger Herr kümmert sich um lebenslustiges, warmherziges Mädchen) wird nun in Whatever Works auf die Spitze konjugiert – Boris ist dabei entschieden neurotischer als Rex Harrison, Melody ungleich gelehriger als Audrey Hepburn. Grotesk burlesk wird es, als Melodys Eltern nacheinander das Kind bei Boris aufspüren und den Schock verdauen müssen, dass dieses nun, unglaubwürdig genug, mit einem grantigen Pensionisten vermählt ist.

Allens 40. Regiearbeit ist die eines Rückkehrers, im doppelten Sinn: Nach vier Filmen in Europa (drei davon in London, drei davon mit Scarlett Johansson), aus denen Matchpoint (2005) als Tragödie altgriechischer Dimension heraussticht, greift der Stadtneurotiker auf seine bewährte Form der New Yorker Konversationskomödie zurück, und dafür wiederum auf ein Drehbuch, das er dem Komiker Zero Mostel auf den Leib geschrieben, nach dessen Tod 1977 aber weggelegt hatte.

Whatever works. Was irgendwie funktioniert, soll man getrost so machen. An dieser simplen Devise krankt leider der Film: Er lässt seine Figuren eher Standupcomedy-Monologe aufsagen als Dialoge sprechen. Er delektiert sich daran, Gags in Gesprächspassagen zu quetschen, auch wenn diese im Dialog gar nicht mehr auflösbar sind. Damit über- und unterfordert er seine Schauspieler zugleich – neben Wood vermag einzig Patricia Clarkson als Melodys Mutter mit plötzlichen Kunst-Ambitionen und Männer-Nachholbedarf zu gefallen. Und eins geht schließlich gar nicht: Jemanden mehr als einmal in Suizidabsicht aus dem Fenster springen und butterweich landen zu lassen. So viel Schwein hat ein gemütskranker Serienbeleidiger wie Boris Yellnikoff definitiv nur bei Woody Allen.