Das traurige Schicksal einer tollen Sängerin, unspektakulär nachvollzogen.
I Will Always Love You“ – Wer diesen unvergleichlichen Schmachtfetzen nicht kennt, wurde entweder nach der Jahrtausendwende geboren oder ist stocktaub. Ursprünglich von der US-amerikanischen Country-Legende Dolly Parton geschrieben und 1974 veröffentlicht, trat der Song 1992 in der Cover-Version von Pop-Star Whitney Houston seinen Eroberungsfeldzug rund um die Welt an und machte keine Gefangenen. Romantische Gefühle hatten fortan und für immer eine Hymne, mit Gänsehaut-Intensität erstmals geschmachtet und geschmettert in Mick Jacksons The Bodyguard, in dem Houston an der Seite von Kevin Costner in der Titelrolle ihr Schauspieldebüt gab. Und bei der Gelegenheit auch gleich noch einen Nummer-Eins-Hit ablieferte. Denn Whitney Houston war ein Profi, sie lieferte. Oder sie bemühte sich zumindest zu liefern. Solange, bis sie eben nicht mehr konnte. Als „I Will Always Love You“ das nächste Mal in den oberen Rängen der Charts landete, war die sechsfache Grammy-Gewinnerin kurz zuvor, am 11. Februar 2012, in der Badewanne ihres Hotelzimmers in Beverly Hills tot aufgefunden worden. Dass jahrelanger Drogenmissbrauch an ihrem verfrühten Ableben im Alter von 48 Mitschuld trug, steht außer Zweifel.
Es ist also mal wieder eine von diesen unglücklichen Geschichten, die Nick Broomfield und Rudi Dolezal in Whitney: Can I Be Me erzählen. Die traurige Mär von der Kerze, die an beiden Enden brennt, vom Ausnahmetalent, das unter dem Druck von Familie und Öffentlichkeit zerbricht. Wobei die vom Titel angedeutete Frage nach der Houston’schen Selbstverleugnung vermittels geschickter Montage dahingehend beantwortet wird, dass der Frau mit der Jahrhundertstimme und der leidenschaftlichen Ausstrahlung weder die musikalische noch die identitäre Verwirklichung erlaubt wurde. Das wie üblich überwiegend gewinnorientierte Umfeld riet zunächst ab von allzu viel „schwarzer“ Musik im Repertoire und riet sodann auch ab vom weiteren Verbleib der jahrzehntelangen besten Freundin, die möglicherweise mehr war als das.
Im Vergleich zu seinen vorangegangenen Musikerbiografien Biggie and Tupac (2002) und Kurt & Courtney (1998) enthält sich Broomfield hier weitgehend der verschwörungstheoretischen Spekulationen. Kriminelle Energie vermag man lediglich bei einer Entourage vermuten, die passiv am Rand steht, während eine Frau den Weg ins Unglück nimmt. Whitney; Can I Be Me vollzieht diesen Weg nach. Das ist alles. Es ist traurig genug.
