wir kinder vom bahnhof zoo

Amazon-Miniserie

Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

| Dieter Oßwald |
Die lang erwartete Neuverfilmung eines deutschen Kino-Knüllers, nun im seriellen Format.

Der biografische Roman der Christiane F. geriet in den 1970er Jahren zum Mega-Bestseller. Die Verfilmung lockte anno 1981 über drei Millionen Besucher in die Kinos, die sogar einen Live-Aufritt von David Bowie zu sehen bekamen. Vier Jahrzehnte später folgt nun das Remake im Serienformat. Bowie ist abermals mit einem Konzertauftritt dabei, diesmal von einem Schauspieler dargestellt. Seine Songs sind derweil dominant auf dem Soundtrack vertreten – ein Sahnehäubchen, das sich als verlässlicher Bonus erweist. Der zweite Pluspunkt ist Darsteller Michelangelo Fortuzzi. Der hat nicht nur den coolsten Namen in der Branche, seit seinem perfekten Auftritt in der Jugendserie Druck gehört der 20-Jährige zu den charismatischen Schauspiel-Talenten ohne Scheu vor rigorosen Rollen: der River Phoenix aus Moabit gewissermaßen. Hier gibt er den sensiblen Benno, der seinen kranken Hund retten will. Betteln reicht für die Arztkosten nicht aus, da bleibt nur noch der Strich am Bahnhof Zoo – der Beginn einer Drogenkarriere, die immer mehr zur Abwärtsspirale gerät. Mit seinen fünf Freunden Christiane, Stella, Babsi, Axel und Michi ist zunächst noch fröhliche Party mit geselligem Kiffen angesagt. Doch alle anfängliche Ablehnung gegen die Spritze wird zunehmend aufgegeben, als Junkies geraten die Freunde dramatisch näher an den fatalen Abgrund ihrer Abhängigkeit. Die Sucht lässt sich zunächst schönreden: „Es ist, als ob du im Winter draußen in der Kälte stehst und plötzlich kommt jemand mit einer warmen Decke und hüllt dich ein. Und dann merkst du einfach, alles wird gut und sicher.“ Die Wirklichkeit sieht natürlich völlig anders aus. Die achtteilige Coming-of-Age-Serie überzeugt duch eine gelungene Einführung und Entwicklung der Figuren, einen hübsch gestrickten Klangteppich mit Bowie-Muster: Kettenkarussell fahren zu „Modern Love“ bietet klare Wow-Effekte! Selbst für Humor ist Platz, etwa mit einem schrulligen Vater samt seiner skurrilen Hundezucht, jener dubiosen Zoohandlung mit raffiniertem Drogenversteck oder dem schroffen Chef von Benno, der heimlich mit Nazi-Souvenirs handelt. Ein weiterer Karriere-Meilenstein für den jungen Cast, allen voran für Michelangelo Fortuzzi und für Jana McKinnon als Christiane F.