Filmkritik

Wish I Was Here

| Angela Sirch |
Tragikomödie über die großen Fragen des Lebens, an der Schwelle zum Kitsch

Während Aidan Bloom in seinen Tagträumen stets der mutige Science-Fiction-Held ist, muss er feststellen, dass sein wahres Leben einiges an Heldenhaftigkeit vermissen lässt. Seine Kinder Grace und Tucker besuchen eine jüdische Privatschule, die von Aidans Vater Gabe bezahlt wird, der die meiste Zeit damit beschäftigt ist, das Leben seines Sohnes zu kritisieren. Aidan selbst fristet als erfolgloser Schauspieler sein Dasein, während seine Frau Sarah für die Versorgung der Familie zuständig ist, finanziert durch einen Job, den sie alles andere als liebt. Seine triste von Unzufriedenheit und nicht gelebten Träumen geprägte Welt gerät endgültig ins Wanken, als er von seinem Vater erfährt, dass dieser erneut gegen den Krebs zu kämpfen hat. Das Geld für die Schule fließt nun in die Genesung des Vaters, Aidan beginnt seine Kinder zu Hause zu unterrichten, was sich schnell als katastrophale Idee herausstellt, und sein Bruder Noah lebt in seiner ganz eigenen Welt, die er nicht gewillt ist zu verlassen, um seinem Bruder in Zeiten großer Veränderungen unter die Arme zu greifen. Aidan muss sich zwangsläufig überlegen, wie er sein dem Einsturz nahes Familienkartenhaus auf ein festeres Fundament stellen kann. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst, um ein besserer Mensch, Vater und Sohn zu werden – quasi der Held, der er schon als Kind sein wollte.

Zach Braff stellt sich in seinem neuen Film Fragen zum Thema Spiritualität, Verantwortung sich selbst und anderen gegenüber, Familie, Tod, Vergebung und Liebe. Doch so wie einander Drama und Komödie in diesem Film die Klinke in die Hand geben, wechseln auch feinsinnige, interessante Betrachtungen mit trivialen, vielfach bekannten Weisheiten. Die schauspielerischen Lichtpunkte des Films sind Joey King als Aidans halbwüchsige, in ihrem Glauben stark verankerte Tochter Grace, die ebenfalls versucht, sich neu zu orientieren, Kate Hudson als starke Ehefrau mit feinem Hausverstand und großem Herz und Mandy Patinkin als sturer, prinzipientreuer Vater, der nicht so recht weiß wie er seine Liebe zeigen soll. Auch sehr schön: die kleinen Auftritte von Jim Parsons und Donald Faison.

Bei Braffs Themenwahl als Regisseur lassen sich mittlerweile  Konstanten feststellen, was grundsätzlich nichts Schlechtes ist. Doch in vielen Momenten neigt sich Wish I Was Here zu sehr in Richtung Kitsch und kleckst vorhersehbare Erkenntnisse als unnötiges Sahnehäubchen oben drauf. Damit verspielt der Film leider einiges an Potenzial.