Wonder Woman 1984

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Wonder Woman 1984

| Marietta Steinhart |
Ein daneben gegangener Wunsch ans Universum

Seien Sie vorsichtig, was Sie sich wünschen – es könnte wahr werden. Wie zum Beispiel die Fortsetzung von Wonder Woman.
Vor drei Jahren gab uns Patty Jenkins eine starke Heldin, die wie ein Leuchtfeuer inmitten der Geburtsstunde von MeToo und der Abrechnung mit männlicher Macht und Missbrauch auftauchte. Nach sechsundsiebzig Jahren ohne ihren eigenen Blockbuster hatte die Kriegerin es geschafft und wurde unter der Regie von einer Frau zu einer Sensation an den Kinokassen.

Im neuen Film, kurz nur WW84 genannt, hat jeder einen Wunsch frei, der verflucht ist, aber der vielleicht am meisten vermaledeite Wunsch ist der all jener – einschließlich dieser Autorin –, die sich nach einer Fortsetzung sehnten.
Es beginnt mit einem actionreichen Prolog, in dem Patty Jenkins die moralische Lektion erklärt, die sie dem Film voranstellt. Zurück auf der Insel Themyscira tritt die junge Amazonenprinzessin Diana in einem Turnier gegen eine Handvoll Kriegerinnen an, aber sie schummelt, um zu gewinnen, und muss schmerzlich lernen, dass „Helden nicht aus Lügen geboren werden“.

Der Film spult dann nach vorne ins bonbonfarbene Titeljahr. Jahrzehnte nach ihrer Einmischung in den Ersten Weltkrieg hat Diana ihren Platz als Kulturanthropologin und Undercover-Superheldin an einem Museum in Washington D.C. eingenommen. Wenn sie nicht arbeitet, dann rettet sie Jogger in rosa Strumpfhosen vor rasenden Autos und starrt verloren in ein Glas Rotwein. Diana ist eine wunderschöne, übermenschliche, starke Frau, aber sie ist nicht glücklich. Sie vermisst ihre große Liebe, Steve Trevor (Chris Pine), der am Ende von Wonder Woman den Heldentod gestorben ist.

Da landet ein antiker Zauberstein in ihrem Schoß, der verspricht, jedermanns Wünsche zu erfüllen. Diana, die zunächst nicht daran glaubt, rubbelt am Stein wie Aladdin an seiner Lampe, und sie wünscht sich, dass ihr Geliebter von den Toten aufersteht (um fair zu sein, wir haben uns alle gewünscht, dass Chris Pine zurückkehrt). Es dauert nicht lange, und er steht vor ihrer Tür. Und er staunt nicht schlecht über Jets, Rolltreppen und Bauchtaschen. Wer jetzt glaubt, in einer Rom-Com gelandet zu sein, der liegt nicht ganz daneben.

Unterdessen wünscht sich Dianas schrullige Kollegin, die Geologin Dr. Barbara Minerva (Kristen Wiig) so „stark, sexy und cool“ wie ihre göttliche Freundin zu sein. Durch einen zweiten Wunsch, verwandelt sie sich später in die Gepardenfrau Cheetah, eine eifersüchtige Kreatur, die einen leider weniger an Michelle Pfeiffers glamouröse Catwoman erinnert, sondern weitaus mehr an die Figuren im unseligen Cats-Film. Beide Frauen bekommen also, was sie sich wünschen. Aber der Stein wird einem auch etwas wegnehmen, etwas Kostbares, wie die eigene Menschlichkeit oder körperliche Stärke. Was der Stein jedoch nicht macht, ist WW84 in einen sehenswerten Film verwandeln.

Die Dinge werden kompliziert, als der schmierige Möchtegern-Ölmagnat Maxwell Lord (ein herrlich manischer Pedro Pascal, der die stoische Hauptrolle in der Star Wars-Serie The Mandalorian spielt) mit seinem Größenwahn diese unbeseelte Geschichte übernimmt. Er wird der blonde Hauptschurke des Films, der die Handlung in ferne Länder auf eine Reise führt, auf der niemand sein möchte. Dazu gehört ein Trip nach Kairo, wo eine Karawanenjagd im Indiana Jones-Stil stattfindet und ein arabischer Herrscher sich „sein altes Land“ zurückwünscht – inklusive einer Mauer. Gadot, eine israelische Schauspielerin, verprügelt dann ein paar arabische Männer und rettet arabische Kinder in einem Film, der zwei Jahre nach dem Einmarsch Israels in den Libanon stattfindet. Der US-Präsident sehnt sich unterdessen nach mehr Atomwaffen, um die Sowjets einzuschüchtern, und ein Ladenbesitzer in London wünscht sich, dass „alle irischen Bastarde dorthin zurückkehren, wo sie herkommen“. Es ist alles so durcheinander; irgendwann fragt man sich, ob man die Amazone vielleicht auf einer riesigen Atombombe reiten sieht.

Bei all dem Chaos hat Diana leider nur wenig Zeit, um Wonder Woman zu sein. Nach einem kurzen, frühen Gefecht in einem Einkaufszentrum sehen wir ihr Kostüm über eine Stunde nicht mehr. In mehr als zweieinhalb Stunden gibt es nur wenige Szenen in denen sie ihre magischen Armreifen anziehen und ihr gleißendes Lasso der Wahrheit schwingen darf, und absolut keine der Szenen kommt der unvergesslichen Kriegsgrabenszene aus dem ersten Teil nahe. Es ist optisch weder schön noch faszinierend.

Zweifelsohne würden die Effekte von WW84 auf einer großen Leinwand besser funktionieren als auf der kleinen, einsamen Couch, von der aus man den Film aktuell in den USA sehen kann. Der Blockbuster lief am 25. Dezember in einigen wenigen Kinos und parallel dazu bei Warners Streamer HBO Max an. Nach einem leeren Blockbuster-Sommer gibt es sicherlich einen aufgestauten Wunsch nach einem Comic-Epos. Aber nur weil man gerade einen historischen Albtraum erlebt, muss man sich nicht mit jeder Art von Eskapismus abfinden. Gal Gadot bleibt zugegebenermaßen eine wunderbare Erscheinung, und Chris Pine gibt sein Bestes.

Auch wenn der feministische Blickwinkel des ersten Teils ( immerhin war Diana eine Frau, die keinen Mann für einen Orgasmus brauchte!) mit WW84 aus dem Fenster geworfen wurde, so gibt es doch eine nette, versteckte Lektion, die es hier für junge Mädchen am Ende zu lernen gibt: Kein Mann in der Welt ist es wert, seine Superkräfte aufzugeben.

Fußnote: Eigentlich hätte der Film zu Weihnachten in die österreichischen Kinos kommen sollen. Aufgrund der Corona-Krise war dies jedoch nicht möglich. Da HBO Max hierzulande nicht verfügbar ist, ist immer noch unklar, wie Warner Bros. mit der Comicverfilmung hierzulande verfahren wird.